Springe direkt zu Inhalt

Die eingeschobene Narration

Die eingeschobene Narration

Wie bereits erwähnt zeichnet sich die eingeschobene Narration dadurch aus, dass mehrere Instanzen erzählen, so dass sich teilweise Geschichte und Narration verschränken. Beispielsweise kann es einen Ich-Erzähler geben, der ein Ereignis im Nachhinein erzählt, gleichzeitig aber wird dasselbe Geschehen in einem Tagebucheintrag geschildert, der natürlich ebenfalls nachträglich, aber zeitlich nahe erfolgt ist. Auf diese Weise würde, wie Genette es beschreibt, eine Art innerer Monolog mit einem nachträglichen Bericht verknüpft (vgl. S. 155). Die Person des Erzählers wird zwar als identisch konstruiert, aber durch die zeitliche Distanz der Narrationspositionen kann sich die Sicht auf das Ereignis völlig verändert haben. Selbstverständlich funktioniert diese Form der eingeschobenen Narration auch mit unterschiedlichen Erzählerfiguren, wie dies bei den Romanen mit Briefeinschüben aus dem 18. Jahrhundert häufig der Fall ist. Spannend dabei ist die Frage, ob es sich bei diesen Briefen dann eigentlich um andere ‚Stimmen‘, also um eigenständige Erzähler handelt oder ob der Erzähler lediglich hinter die Figuren zurücktritt, um den Figuren zwar das Sprechen in einem Brief zu überlassen, sie aber deshalb noch lange nicht als eigenständige Erzähler zuzulassen. Auf diese Frage gibt Genette keine Antwort. Sie wird in dieser Lerneinheit an anderer Stelle noch einmal erörtert.