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Zusammenführung

Zusammenführung

Die Erzählung Hofmannsthals besteht aus einer Vielzahl von Handlungseinheiten, deren punktuelle Gleichzeitigkeit auf einen ‚Überblick‘ weist und einen unfokalisierten Erzählmodus bestätigt. Auch das deskriptive Pausieren vom Erzählen von Ereignissen im ersten Segment (A) deutet auf Nullfokalisierung, genauso wie das Wissen um die innere Verfassung von Figuren, z. B. bei Segment (T). Doch der Fokalisierungstyp der „Reitergeschichte“ wechselt. Die überwiegend nachweisbare Nullfokalisierung wird von einer auffälligen Alteration durchzogen: der Paralipse, dem Informationsleck hinsichtlich Motivation, Perspektive und Gedanken des Rittmeisters in Segment (GG) kurz vor dem tödlichen Schuss. Sie ist bemerkenswert, da sie durch den Erzählerkommentar akzentuiert wird und nicht durch bloßes Wegfallen an Information entsteht.
Die Distanz zum Erzählten ist auch ohne diese Paralipse hoch. Die Nullfokalisierung bezieht nur selten auch das Wissen einer Figur mit ein, geht aber selbst dann nicht darüber hinaus (GG), (T). So ist der Rittmeister nie die fokalisierende Figur, zu ihr wird im Gegenteil die größte Distanz deutlich. Zwar entsteht durch die Nennung ihres Namens in Segment (V) ein Näherkommen, doch nur ein informatives; die Entfernung zu ihrer Perspektive wird gerade durch die Nennung des Namens wieder deutlich. Die Figur des Rittmeisters erfährt durchgehend eine externe Fokalisierung.
Dagegen wird über den inneren Zustand des Wachtmeisters in Segment (GG) Auskunft erteilt. Dies geschieht jedoch eben nur an dieser Stelle und auf distanzierte Art und Weise, da weder die erlebte noch die unmittelbare Rede den narrativen Vermittlungsmodus bildet, sondern die narrativisierte.
Gerade diese Form der Personenrede verstärkt die Distanzierung. Die wenigen gesprochenen oder gedachten Worte finden sich in Form der narrativisierten Rede bzw. des Bewusstseinsberichts wieder – so auch in Segment (I). Nur die fünf Worte, die im Modus der berichteten Rede vermittelt werden, überwinden somit die aufgebaute Distanz – auch wenn die begleitende Inquitformel die narrative Einmischung wieder bestätigt – und rücken somit ins Zentrum der Aufmerksamkeit: „Handpferde auslassen“, „eins“, „zwei“, „drei“.
Meist auf Handlung reduziert und ohne Bemühen von ‚Wirklichkeitseffekten‘ erzählt, lässt sich am Erzählausschnitt der „Reitergeschichte“ das Verhältnis von Informationsminimum und Informantenmaximum feststellen.






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