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Fokalisierungen

Fokalisierungen

Genette hat eine dreigliedrige Typologie der Fokalisierung entwickelt:

Typ 1: unfokalisierte Erzählung oder Nullfokalisierung
Erzähler > Figur
Der Erzähler weiß mehr als die Figur bzw. sagt mehr als die Figur weiß. Dieser Erzähltyp gilt als die klassische Erzählweise. Auch wenn sich dieser Typ teilweise mit der bekannten Kategorie auktoriale (allwissende) Erzählweise deckt, ist er mit ihm doch nicht identisch.

Typ 2: interne Fokalisierung
Erzähler = Figur
Der Erzähler sagt nicht mehr, als die Figur weiß. Eine interne Fokalisierung kann fest, variabel oder, wie zum Beispiel in Briefromanen, multipel sein.

Typ 3: externe Fokalisierung
Erzähler < Figur
Der Erzähler sagt weniger, als die Figur weiß, was bedeutet, dass Handlungen vorgestellt werden, ohne dass klar wird, wie die Figur, die handelt oder mit dem Geschehen konfrontiert wird, darüber denkt bzw. dazu steht.

Obwohl die Aufteilung in Modus und Stimme allgemein Anerkennung fand, wurde und wird Genette für diese Typologie heftig kritisiert. Zum einen ist, wie er selbst bereits sagt, eine Unterscheidung nicht immer möglich, zum anderen hängen die einzelnen Typen vom Wissensstand des Erzählers ab. Die Trennung von Figur/Fokus und Erzähler ist also nicht gänzlich vollzogen.
Klar ist, dass sich ein Fokalisierungstypus selten über eine ganze Erzählung erstreckt. Nicht selten wechseln die Typen mehrfach, unter Umständen sogar in einem einzigen Satz.

Wichtig für die Analyse ist dabei, dass man sich nicht von Interpretationen leiten lassen darf. Entscheidend ist alleine, welche Informationen im Text gegeben oder nicht gegeben werden. Inhaltliche Indizien, die man als Ausdruck einer Gefühlslage deuten könnte, sagen nichts über Fokalisierungstypen aus. Wichtig ist nur das, was gesagt oder geschrieben wird.