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Paratextualität

Paratextualität ist ein Typ der Transtextualität und gehört zur Taxonomie intertextueller Beziehungen, die Gérard Genette in „Palimpseste. Die Literatur auf zweiter Stufe“ (1982) entwirft.

Genette meint damit Textteile, die zusammen mit dem Text auftreten (griech.: para = neben), aber nicht eigentlich zum Text gehören. Genette bringt zur Erläuterung folgende Textsorten:

„Titel, Untertitel, Zwischentitel; Vorworte, Nachworte, Hinweise an den Leser, Einleitungen usw.; Marginalien, Fußnoten, Anmerkungen; Motti; Illustrationen; Waschzettel, Schleifen, Umschlag und viele andere Arten zusätzlicher, auto- oder allographer Signale, die den Text mit einer (variablen) Umgebung ausstatten [...]“ (Palimpseste, S. 11).

In „Paratexte. Das Buch vom Beiwerk des Buches“ klassifiziert Genette die Reihe der Paratexte in Bezug auf folgende Charakteristika:

  • Stellung des Paratextes zum Basistext (wo?): Genette unterteilt hier weiter in Peritext und Epitext. Peritexte sind alle Paratexte, die direkt an den Basistext angrenzen (Titel, Zwischenüberschriften, Anmerkungen etc.). Epitexte sind solche, die außerhalb des eigentlichen Textes stehen (Interviews, Briefe, Tagebücher).
  • Zeitlicher Bezug (wann?): Paratexte können vor, mit oder nach dem Basistext erscheinen.
  • verbale oder nichtverbale Existenzweise (wie?): Der stoffliche Status der Paratexte liegt meist ebenfalls in Form von sprachlichen Äußerungen vor. Desweiteren können sie bildlich, materiell oder faktisch sein. Bildliche Paratexte sind z.B. Illustrationen. Materielle Paratexte sind typographische Elemente eines Textes. Faktische Paratexte bezeichnen Wissen (Fakten) rund um den Text und seinen Autor, die die Interpretation des Textes beeinflussen.
  •  Eigenschaften der Kommunikationsinstanzen (von wem an wen?): Der pragmatische Status bezieht sich einerseits auf den Verfasser eines Paratextes und andererseits auf den Adressat.
  • Funktion der Botschaft (wozu?): Die illokutorische Wirkung eines Paratextes unterteilt Genette in Übermittlung von Fakten (z.B. Informationen zum Leben des Schriftstellers), Übermittlung der schriftstellerischen Absicht (im Vor- oder Nachwort) oder performative Äußerungen (Widmungen).

Ein Paratext ist durch seine funktionale Unterordnung zum literarischen Haupttext (Basistext) charakterisiert. Der Paratext liefert zusätzliche Informationen, die die Lektüre steuern (können) und in die Interpretation des Textes einfließen. Zum Beispiel ist der Zusatz „Roman“ auf dem Einband eines Buches ein wichtiger Faktor, einen Text als literarisch sowie fiktiv einzustufen. Damit werden beim Leser bestimmte Rahmenbedingungen für die Lektüre geschaffen, in diesem Fall die dem Leser bekannten Eigenschaften der Gattung „Roman“.

Die Begriffe Paratextualität bzw. Paratext sind in ihrer Definition eher umfassend oder, anders gesagt, eher unscharf gehalten, da sie eine heterogene Menge an (schriftlichen oder mündlichen) Äußerungen umfassen.

 

Literatur:

Gèrard Genette: Palimpseste. Die Literatur auf zweiter Stufe. 2. Aufl. Frankfurt/Main 1996 [1982].

Gèrard Genette: Paratexte. Das Buch vom Beiwerk des Buches. Frankfurt am Main 2001 [1987].

Werner Wolf: Paratext. In: Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie. Hrsg. von Ansgar Nünning. Stuttgart/Weimar 32004, S. 511-512.

 

(K.K.)