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Langue und Parole

Die semiotische Relevanz der Begriffe Langue und Parole [frz.] geht auf Ferdinand de Saussures „Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft“ zurück. Sie beschreiben - grob umrissen - die Zweigliedrigkeit menschlicher Rede in individuelles Sprech- (Parole) und sozialisiertes Sprachvermögen (Langue).
Die überindividuelle Langue ist wesentlich für die Reproduzierbarkeit eines Zeichens im Kommunikationsakt. Sie besteht „[…] kraft eines Kontraktes zwischen den Gliedern einer Sprachgemeinschaft“ (Grundfragen, S. 17) und bildet mithin ein kanonisiertes Repertoire von Lautbildern in Verbindung mit Ideen, das Verständigung ermöglicht - die Kodierung von Signifikat und Signifikant sowie die Verknüpfungsregeln mehrerer Zeichen.. Roland Barthes stellt heraus, dass die Langue außerdem ein Wertsystem ist, dessen Elemente einen Wert für sich, aber auch differenziell zu anderen belegen: „[…] vom Standpunkt der Sprache aus ist das Zeichen gleichsam ein Geldstück: dieses Geldstück ist eine bestimmte Sache wert, die zu erwerben es erlaubt, aber es ist auch etwas wert in Bezug auf andere Geldstücke von höherem oder niedrigerem Wert“ (Semiologie, S. 14).
Im Gegensatz zur Langue ist die Parole intellektabhängig, da der Sprecher aus dem Repertoire hinsichtlich einer Redesituation Elemente wählen, einem Code entsprechend kombinieren und aussprechen muss.
Der Zusammenhang von Langue und Parole ist ein existenzieller. Ohne dass das Langue-System tradiert wird, ist Sprechen in einer Sprachgemeinschaft nicht möglich und ohne Sprechen die Überlieferung problematisch. „[…] die Sprache [langue] ist sowohl das Produkt als auch das Instrument des Sprechens [parole]: es handelt sich also um eine wirkliche Dialektik.“ (Semiologie, S. 15).

Literatur:
de SAUSSURE, Ferdinand: Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. Berlin 1967.
BARTHES, Roland: Elemente der Semiologie. 2. Auflage. Frankfurt am Main 1981.

(K.Ko.)