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Dispositiv

Der Begriff „Dispositiv“ wurde von Foucault zum Zwecke der Analyse entwickelt. Er dient dazu, ein bestimmtes Verhalten, einen Diskurs oder ein bestimmtes Selbstverhältnis zu fokussieren und nach seiner jeweiligen Akzeptanz zu fragen. Das Dispositiv koordiniert Machtbeziehungen. Es besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Elemente wie Aussagen, Regeln, Praktiken, Institutionen etc. Der zentrale Effekt dieser Koordination von Machtbeziehungen ist, dass zu Diskursen angereizt wird, die ein bestimmtes Wissen erzeugen. Dieses Wissen bringt Individuen dazu, sich auf bestimmte Weise zu denken und sich auf bestimmte Weise zur Welt und zu sich selbst zu verhalten.
Foucault hat sich intensiv mit der Rolle des Dispositivs befasst. Er unterscheidet beispielsweise in seinen Forschungen zur Geschichte der Sexualität zwischen zwei Arten von Dispositiven: dem Allianzdispositiv und dem Sexualitätsdispositiv, welchem sein zentrales Interesse gilt. Das Allianzdispositiv stützte sich laut Foucault auf ein System des Heiratens und der Verwandtschaft. Es hat sich zwischen die Sexualbeziehungen geschaltet, deren zentraler Ort die Familie gewesen ist. Während es im Allianzdispositiv noch konkret um die Beziehung zwischen Partnern ging, geht es im Sexualitätsdispositiv vielmehr um Intensitäten. Der zentrale Angriffspunkt des Sexualitätsdispositivs ist der Körper.
Das Sexualitätsdispositiv des 19. und 20. Jahrhunderts umfasst Strategien, welche Sexualität erst erzeugen. Foucault benutzt den Begriff, um den grundlegenden Wandel des Diskurses des Begehrens und der Lust zu beschreiben. Dieser Begriff fungiert also als ein flexibles Raster, das sich an beliebigen Stellen auflegen lässt und es gestattet, das uns Selbstverständliche auch als einen Effekt der Macht beschreiben zu können. Das Sexualitätsdispositiv entwickelte sich, so Foucault, weil die Sexualität gleichzeitig den Zugang zum individuellen Körper und zur Bevölkerung ermöglichte, weil das Leben erst über die Erzeugung und Organisation einer Sexualität wirksam auf ökonomische Zwänge hin gestaltet werden konnte.
Im Zentrum Foucaults Überlegungen zum Sexualitätsdispositiv steht die Frage, wie Menschen dazu gebracht werden, sich als Wesen mit einer Sexualität zu verstehen, sich über diese Sexualität zu definieren, sich auf seine Neigungen und Lüste hin zu kontrollieren, bestimmte Verhaltensweise wie Homosexualität, Masochismus, Masturbation etc. zu isolieren, zu klassifizieren und zu problematisieren. Schließlich versucht Foucault zu bestimmen, wie Menschen dazu gebracht werden, ihrer Lust ein System und eine Norm zu geben.
Er zeigt auf, dass es sich bei Dispositiven vor allem um Anordnungen und Strukturierungen, nicht aber um konkrete Inhalte handelt. Sie dienen innerhalb bestimmter stabiler Strukturen über Jahre hinweg dazu, Diskurse anzureizen und Themen, Inhalte und Zugangsweisen zu strukturieren. Dispositive sind Netzwerke heterogener Elemente aus Gesprächen, Gefühlen, Gesetzen, Wissen, Institutionen etc. Im Sexualitätsdispositiv verbinden sich all diese Elemente und produzieren einen Diskurs über die Sexualität und ein Wissen von dieser.
Das Sexualitätsdispositiv ist also in gewisser Weise das Mittel oder die Vorrichtung für eine strategische Operation, die ein Wissen vom Sex entfalten will, die den Sex in den individuellen Körpern verankert und die etwas wie die Sexualität produziert und hervorbringt.

(T.G.)