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Dauer

Der Begriff Dauer wird bei Gérard Genette in „Die Erzählung“ als eines der drei Mittel Ordnung, Dauer und Frequenz zur Analyse zeitlicher Dimensionen eines literarischen geschriebenen Textes eingesetzt. Anhand einer Gegenüberstellung der zwei Ebenen Geschichte und Erzählung wird die zeitliche Struktur des Textes mit Hilfe der Dauer untersucht, d.h. das Verhältnis der Begebenheiten der Geschichte (= Erzählzeit) und ihrer Umsetzung auf der Ebene der Erzählung (= erzählte Zeit) wird in Hinblick auf die Zeit durchleuchtet.
Da aber beispielsweise die Zeit, die benötigt wird, um einen Text zu lesen von Leser zu Leser variabel ist und somit objektive Ergebnisse oder ein so genannter Nullpunkt nicht festgelegt werden können, spricht Genette von der Geschwindigkeitsanalyse der Erzählung. Der Ausgangspunkt zur Untersuchung der Geschwindigkeit eines Textes ist die Gegenüberstellung der Dauer der Handlung (gemessen in Sekunden, Minuten, Stunden bis hin zu Jahren) und der Länge des Textes in Zeilen und Seiten. Das ergibt Rhythmuseffekte
(= Anisochronien), die jedem Text zugrunde liegen.
Anhand von vier Grundformen die Genette als kanonisch charakterisiert, können die Geschwindigkeiten eines Textes festgelegt werden. Diese so genannten narrativen Tempi sind die beiden extremen „Pole“ Ellipse und deskriptive Pause, sowie die beiden „mittleren Geschwindigkeiten“ Szene und Summary.

Literatur
Genette, Gérard: Die Erzählung. 2. Auflage München 1998.
Nünning, Ansgar: Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie. Stuttgart 1998.

(K.W.)