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Professur Byzantinistik

Andreas Ritzos: Johannes schreibt seine Offenbarung auf einer Schriftrolle, 15. Jh.
Andreas Ritzos: Johannes schreibt seine Offenbarung auf einer Schriftrolle, 15. Jh.
Bildquelle: Benaki Museum, 28110 (Athen, Griechenland)

Byzantinistik ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Literatur, Sprache, Kunst und Kultur des oströmischen Reiches, also jenes Teils des imperium Romanum, der 476 nicht unterging, sondern bis 1453 eine wechselvolle Geschichte erlebte, bis die Nova Roma Constantinupolis (archaisierend Byzantion genannt)von den Osmanen erobert wurde. Die Teilbereiche des Faches werden in Forschung und Lehre umfassend vertreten, der Schwerpunkt liegt jedoch auf der Literaturwissenschaft. Byzantinistik kann demnach als ein Bindeglied zwischen der Altgräzistik und der Neogräzistik beschrieben werden. Aber auch die Beziehungen der mittelalterlichen griechischen Kultur zu den Arabern, den christlichen Orientalen (wie den Armeniern und Kopten), den Juden und den orthodoxen Slawen stehen im Zentrum von Forschung und Lehre. Das Fach ist deutschlandweit nur an wenigen Universitäten vertreten, und an der FU  Berlin besteht die singuläre Möglichkeit, alle Phasen der griechischen Literatur- und Sprachgeschichte von der Antike bis heute kennenzulernen. Brückenwissenschaft – so lässt sich der Anspruch am besten beschreiben. 

Die Berliner Byzantinistik vertritt ein selten verfolgtes Profil, die Beziehungen Byzanz‘ zum Nahen Osten, von der Spätantike bis in die Frühe Neuzeit, in Forschung und Lehre. Dies betrifft die Verhältnisse zum Islam, sei er religiös oder politisch aufgefasst, zum Judentum und zu den orientalischen Christen. Daher werden hier auch Quellen arabischen, syrischen, hebräischer und georgischer Sprache studiert. Byzanz wird begriffen als Knotenpunkt, über den sich die Kulturen des Vorderen Orients mit dem entstehenden Abendland austauschten, auf allen Ebenen.

Forschungsschwerpunkte der Berliner Byzantinistik sind zum einen die byzantinische Historiografie und ihre jüdisch-hellenistischen Vorbilder, die vor allem literaturwissenschaftlich betrieben wird, und die Beziehungen zwischen Juden und Christen und Muslimen seit der Spätantike. Dazu gehört die Bibel im Spannungsfeld der Religionen und ihrer Textwelten, die antijüdische Polemik der Kirchenväter, aber auch interkulturelle Übersetzungswissenschaft (etwa griechische Texte in hebräischer Schrift oder die Koranübersetzungen ins Griechische).