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Teilprojekt B07

Gebaute Ordnung und raumbildende Handlungen. Historische Dispositionen von Objekten, Körpern und Bewegung in architektonischen und topographischen Räumen

Projektleitung: Prof. Dr. Hartmut Böhme

Laufzeit: 01/2000-12/2010

Im Zentrum des Projektes stand die Untersuchung historischer und gegenwärtiger Wissensordnungen aus kulturgeschichtlicher Perspektive. In den Vordergrund traten in der letzten Förderphase die konkreten architektonischen Räume, in denen Wissen gesammelt, geordnet, ausgestellt oder experimentell erzeugt wird. Ausgangsthese war, dass diese Räume in ihrer Materialität die entsprechenden Prozesse der Produktion und Rezeption von Wissen unmittelbar bedingen. Die zentrale Frage war hierbei, inwiefern Handlungsabläufe im gebauten Raum einen performativen Aspekt von Architektur darstellen, der nicht nur neue symbolische Ordnungen konstituiert, sondern auch Systeme funktionaler Optimierung und sozialer Kontrolle. Diese Fragestellung wurde im Rahmen verschiedener Korpusbildungen verfolgt. Dazu gehörte zum einen die Architektur von Bibliotheken, die bisher vor allem einer stilgeschichtlichen und ikonologischen Betrachtung unterzogen worden ist.Im Gegensatz dazu verfolgte das Projekt eine Genealogie insbesondere der modernen Bibliothek, welche die Architektur als ein Medium der Wissensordnung und als eine räumliche Technik der Macht erfasst, über die der Zugang zum Wissen reguliert wird.

Einen zweiten Schwerpunkt bildete die Spolierung als Handlungszusammenhang, in dem destruktive Eingriffe in bestehende Architekturen über die Wiederverwendung einzelner Fragmente in die Schaffung neuer Ensembles münden. Die Untersuchungen richteten sich hier auf die Spolierung als Handlungsmodell und dessen Tragfähigkeit für Epochen übergreifende Vergleiche zwischen Ereignissen von der frühen Neuzeit bis in die Gegenwart.

   

Projektrelevante Publikationen der letzten Förderphase:

Jasper Cepl, Kirsten Wagner (Eds.), Images of the Body in Architecture, Anthropology and Built Space, Tübingen/Berlin: Wasmuth 2014.

Robert Felfe (2011): „Zeitformen der Fotografie, oder: Kann man in Bildern handeln?“, in: T. Kisser (Hg.), Bild und Zeit. Temporalität in Bildender Kunst und Kunsttheorie um 1800 und seitdem, München, S. 387-404.

Natascha Adamowsky, Hartmut Böhme, Robert Felfe (Hg.): Ludi Naturae. Spiele der Natur in Kunst und Wissenschaft, München 2010.

Robert Felfe, Kirsten Wagner (Hg.) (2010): Museum, Bibliothek, Stadtraum. Räumliche Wissensordnungen 1600-1900, Berlin.

Hartmut Böhme (2010): „Passionen der Bibliothek“, in: Bulaty, Milan (Hg.): Bibliothek, Berlin, S. 77-97.

Robert Felfe (2010): „Gold, Gips und Linienzug. Kostbare Materialien und Bilder ad vivum im 16. Jahrhundert“, in: H. Böhme/J. Endres (Hg.), Der Code der Leidenschaften. Fetischismus in den Künsten, München, S. 197-228.

Kirsten Wagner (2010): „Kognitiver Raum: Orientierung – Mental Maps – Datenverwaltung“, in: S. Günzel (Hg.), Raum. Ein interdisziplinäres Handbuch, Stuttgart/Weimar, S. 234-249.

Kirsten Wagner: „Die Beseelung der Architektur. Empathie und architektonischer Raum“, in: G. Koch/R. Curtis (Hg.), Einfühlung. Zur Geschichte und Gegenwart eines ästhetischen Konzepts, München 2009, S. 49-78.

Kirsten Wagner: „Architekturen des Wissens. Bibliotheksräume in der Frühen Neuzeit“, in: Morgen-Glantz. Zeitschrift der Christian Knorr von Rosenroth-Gesellschaft 19 (2009), S. 275-310.