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Rea Köppel

Rea Köppel

 

E-Mail: koeppel [at] schriftbildlichkeit.de

 

Dissertationsvorhaben

"Zum Verhältnis von Druck- und Handschrift um 1800; literarische Handexemplare mit handschriftlichen Einträgen"

 

Projektbeschreibung

Gewohnt an die Arbeit mit Drucktexten denkt die neuere Philologie Handschriften und handschriftliche Einträge noch allzu oft final vom später publizierten Text her statt als ein Phänomen für sich. Die mit dem Buchdruck entstehende Dichotomie von Hand- und Druckschrift wird durch die Zuweisung konträrer Eigenschaften verfestigt; während alles Handschriftliche in den Bereich des Psychologischen, Auratischen und Privaten verschoben wird, konzentriert sich die Forschung auf den Drucktext, dem offizielle Gültigkeit zugestanden wird. Hermeneutik und Buchdruck greifen so nahtlos ineinander: Die normierte Druckschrift ermöglicht ein reibungsloses, auf die Bedeutung hin luzides Lesen und damit das hermeneutische Verstehen, das alles Materielle, Buchstäbliche ausblendet und die genauere Betrachtung der Schriftträger verhindert.

Mein Dissertationsprojekt will diesem Befund eine Untersuchung literarischer Handexemplare entgegenstellen; diese in den Archiven erhaltenen Bücher aus dem Besitz der Autoren sind mit deren marginalen oder interlinearen Einträgen versehen. In ihrer Singularität und Komplexität werden sie nicht nur zu einer Herausforderung für die Editionswissenschaft –  wenn auf derselben Buchseite Druck- und Handschrift aufeinander treffen, wird auch die Materialität der beiden Schriftformen evident. Hochauflösende Scans ermöglichen die Entzifferung und zeigen die Seiten zunächst bildhaft, abgelöst von tradierten Werk- und Autorkategorien. Während sonst der Druck auf die Handschrift folgt, kehren Handexemplare diese Abfolge um; sie sind ein Scharnier im Spannungsfeld von Singularität und Auflagenstärke, von Schrift und Schrift. Im so entstehenden Reflexionsraum des nicht mit sich Identischen sollen die ausgewählten literarischen Werke buchstäblich von ihren Rändern her, also von dem, was aus dem Verstehen und aus dem Satzspiegel herausfällt, neu gelesen werden.

 

Curriculum Vitae

Seit 10/2008

Promotionsstipendium am DFG-Graduiertenkolleg 1458 „Schriftbildlichkeit“ an der Freien Universität Berlin

10/2006-Ende 2007

Kustodin und Stipendiatin am Nietzschehaus in Sils Maria, Schweiz

07/2007

Abschluss des Germanistik- und Geschichtsstudiums in Basel (summa cum laude). Magisterarbeit zu Fragen von Rhythmus und Metrik anhand einer Klopstock-Handschrift

2005/2006

Mitarbeit an der Kritischen Robert Walser-Edition als Hilfsassistentin von Prof. Dr. Wolfram Groddeck, Basel

1999-2001

Mehrere Regieassistenzen am Stadttheater Luzern / Lucerne Festival

 

 

 

 

 

 

 

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