im Rahmen des 20-jährigen Jubiläums der Valeska Gert Gastprofessur arbeitete die international renommierte und vielfach ausgezeichnete Künstlerin, Choreografin und Filmemacherin Eszter Salamon als Valeska Gert Gastprofessorin im Sommersemester 2026 gemeinsam mit Studierenden der Critical Dance Studies.
Die Abschlussveranstaltung der Valeska-Gert-Gastprofessur von Eszter Salamon präsentiert The Living Book, eine Work-in-Progress Präsentation der praxisbasierten künstlerischen Forschung, die Eszter Salamon gemeinsam mit Studierenden der Critical Dance Studies an der Freien Universität Berlin entwickelt hat. Das Projekt ist Teil von Salamons langjähriger Auseinandersetzung mit dem Leben und Werk der deutschen Avantgarde-Tänzerin und Künstlerin Valeska Gert, zu der auch ihre seit 2016 entwickelte Reihe der Valeska Gert Monuments gehört. Als Anti-Monumente konzipiert, zielen diese performativen Arbeiten darauf ab, verkörperte und zeitliche Beziehungen zur Geschichte zu aktivieren und künstlerische Forschung als kritische und experimentelle Praxis zu begreifen, die konventionelle Formen der Wissensproduktion hinterfragt. Ausgehend von Gerts autobiografischem Buch Ich bin eine Hexe: Kaleidoskop meines Lebens (1968) sowie fotografischen Dokumenten ihrer Bühnen- und Filmauftritte untersucht The Living Book das Verhältnis von Erinnerung und Archiv. Im Verlauf des Sommersemesters haben sich die Studierenden mit Salamons Methoden beschäftigt, wie kollektives historisches Bewusstsein durch transgenerationale poetische Empathie aktiviert werden kann.
Das Komponieren mit der Vergangenheit aus der Perspektive der Gegenwart unterscheidet sich grundlegend von der Vorstellung einer Vergangenheit, wie sie hätte gewesen sein können. The Living Book versteht sich als Versuch, gescheitertes Geschichtsbewusstsein zu befragen und neue Beziehungen zur Vergangenheit zu entwickeln, um die Zukunft – von Kunst und künstlerischer Forschung – mitzugestalten. Die Frage danach, was im „Fischernetz der Geschichte“ hängen bleibt, beschäftigt Wissenschaftler*innen und Künstler*innen gleichermaßen. Dass Valeska Gerts Bedeutung in der Kunstgeschichte bis heute nicht die ihr gebührende Aufmerksamkeit erfahren hat, verweist auf die Mechanismen historischen Erinnerns und Vergessens. Die Fragen, was und wie wir lernen, ebenso wie was und wie wir erinnern, sind zentral für die Entwicklung eines kritischen Verhältnisses zur Produktion von Wissen und Kunst. Denn Erinnern und Archivieren dienen nicht allein dem Verständnis der Vergangenheit – Archive prägen unsere Vorstellungskraft und damit auch unsere Zukunft.
Eszter Salamon ist bekannt für ihre interdisziplinäre und forschungsbasierte künstlerische Praxis. In zahlreichen Arbeiten setzt sie sich mit dem Erbe Valeska Gerts auseinander. Ihre MONUMENT Serie (seit 2017) untersucht Gerts Leben und Einfluss aus sowohl transhistorischer als auch fiktionaler Perspektive. Ihre performative Installation Study for the Valeska Gert Pavilion wurde 2022 auf der 16. Biennale von Lyon präsentiert. Mit ihrem Kurzfilm Reappearance (2022) begann die ungarische Künstlerin eine Filmreihe über Erinnerung, Archiv und historische Imagination. Zur Eröffnung ihrer Gastprofessur an der Freien Universität Berlin stellt sie mit Sommerspiele (2023) den zweiten Teil dieser Serie vor.
Die Valeska-Gert-Gastprofessur am Institut für Theaterwissenschaft gibt es seit dem Wintersemester 2006/07. Das Programm wird von der Freien Universität Berlin und dem Berliner Künstlerprogramm gefördert und vom DAAD aus Mitteln des Auswärtigen Amts (AA) und der Akademie der Künste Berlin unterstützt.
Die Anzahl der Plätze ist begrenzt, bitte komm frühzeitig, um dir eine kostenlose Eintrittskarte zu sichern.
Zeit & Ort
08.07.2026 | 19:00
Blackbox
Akademie der Künste
Pariser Platz 4, 10117 Berlin
Weitere Informationen
Dr. Lindsey Drury
l.drury@fu-berlin.de

