Gegenstände der Filmwissenschaft
Am Seminar für Filmwissenschaft werden die Phänomene Film und Bewegtbild in ihrer ganzen Breite behandelt. Zu wissenschaftlichen Gegenständen werden sie aus analytischer, historischer und theoretischer Perspektive.
Die grundständige Einführung in die Filmwissenschaft wird begleitet von der Auseinandersetzung mit verschiedenen Filmgattungen: Spielfilm, Dokumentarfilm, Essayfilm, Experimentalfilm, Animationsfilm, Gebrauchsfilm oder Amateurfilm – sie alle setzen eigene Modi der Betrachtung voraus. Fachkenntnisse und wissenschaftliche Fähigkeiten werden durch Reflexion, Kontextualisierung und Analyse exemplarischer Werke (Poetiken, Inszenierungsweisen, Dramaturgien, Narrationsformen), Werkgruppen (Formate, Genres, Zyklen, sogenannte ‚Nationalkinematografien‘) oder entlang spezifischer Schwerpunkte (z. B. einzelne filmästhetische Parameter oder soziokulturelle Themen) erworben.
Gleichermaßen wird Film als Sammelbegriff für eine Vielzahl audiovisueller Medien in Geschichte und Gegenwart verstanden. Im Studium erfolgt daher die Beschäftigung mit der Fülle materieller Kulturen von unterschiedlichen Bewegtbildern. So beschäftigt sich die Filmwissenschaft auch mit televisuellen und digitalkulturellen Bildern und infolgedessen mit diversen Trägermaterialien audiovisueller Medien, vom Nitrozellulosefilm über das elektromagnetische Bild bis zur Rastergrafik des Pixels. Die Filmwissenschaft interessiert sich zentral für Dispositive, Schauanordnungen und Rezeptionsformen: für den Kinoraum und das Display digitaler Geräte ebenso wie für die Video-Installation im Museum oder den Werbebildschirm im öffentlichen Raum. Thematisiert werden dabei Distributions- und Zirkulationsformen, Produktions- wie Wirkungsweisen audiovisueller Medien. Dementsprechend untersucht die Filmwissenschaft auch Praktiken der Sammlung, Archivierung, Kuration und Vermittlung von Bewegtbildern, wie sie etwa durch Kinematheken, Filmmuseen, Filmfestivals oder Streamingplattformen geleistet werden.
Die Filmwissenschaft verortet sich im Feld der Geistes- und Kulturwissenschaften und befasst sich daher mit Wechselwirkungen, die Film zu anderen ästhetischen, künstlerischen und kulturellen Phänomenen unterhält, etwa zu Literatur, Fotografie, Bildender Kunst, Theater, Tanz oder Musik. Auch die Position von Bewegtbildern in sozialen und politischen Zusammenhängen spielt eine entscheidende Rolle, beispielsweise in der Auseinandersetzung mit ihren ideologischen Funktionen, ihrer hegemonial kommerziellen Ausrichtung und ihrer normativen Macht der Repräsentation.
Das Studium der Filmwissenschaft stattet Studierende mit einem breitgefächerten Werkzeugkasten des wissenschaftlichen Arbeitens aus, in dessen Zentrum die Tätigkeiten Sichten, Lesen und Schreiben stehen. Dies befähigt dazu, Film als ästhetisch und historisch komplexes Artefakt zu begreifen und zum Ausgangspunkt eigenständigen Denkens zu machen.

