Aporien der Anwendung. Künstliche Intelligenzen in Geisteswissenschaften und Künsten
News vom 29.09.2026
Eine Ringvorlesung des Instituts für Theaterwissenschaft im Programm des Offenen Hörsaals der Freien Universität
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14. Oktober 2026 - 10. Februar 2027
Mittwochs, 18-20 Uhr, c.t.
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Künstliche Intelligenz wirkt gegenwärtig teils offensichtlich, teils subtil auf politisches, gesellschaftliches, und alltägliches Handeln ein. In den Geisteswissenschaften und Künsten verändern sich unter dem Eindruck dieser technologischen Entwicklung nicht nur Forschung, Lehre und künstlerische Praxis, sondern grundlegend die Vorstellungen davon, wie Wissen entsteht und Kreativität operiert. Während KI in den Natur- und Technikwissenschaften häufig als Innovationsmotor erscheint, dominieren in den Geisteswissenschaften und Künsten vielfach Verlustszenarien – von Kreativität und Autorschaft bis hin zu wissenschaftlicher Integrität und gesellschaftlicher Relevanz. Zugleich wächst der allgemeine Druck, KI-Anwendungen zu implementieren, um Anschluss- und Zukunftsfähigkeit unter Beweis zu stellen.
Jenseits technokapitalistischer Überhöhungen und apokalyptischer Untergangsrhetorik versteht die Ringvorlesung Künstliche Intelligenz nicht nur als Heilsversprechen oder als unausweichliche Bedrohung, sondern begreift sie ausdrücklich eingebettet in die globalen Krisen unserer Zeit. Wir fragen: Wie verändern sich die Praktiken des Forschens, Schreibens, Hörens, Sehens, Komponierens und Gestaltens durch den Einsatz von KI? Welche neuen Formen wissenschaftlicher und künstlerischer Praxis entstehen? Was folgt daraus, dass bislang elementare Kulturtechniken wie etwa das Lesen und Schreiben zunehmend automatisiert werden? Wie können Geisteswissenschaften und Künste diese Entwicklungen kritisch begleiten, sie aktiv gestalten – oder ihnen bewusst widerstehen? Und ist der Einfluss Künstlicher Intelligenz auf Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft tatsächlich so alternativlos, wie er vielfach erscheint? Im Mittelpunkt der Vorträge stehen kritische Historisierungen, begriffliche Differenzierungen und künstlerische Experimente. Dabei geraten technologische Infrastrukturen und Machtverhältnisse ebenso in den Blick wie Fragen nach Kreativität, Autorschaft, wissenschaftlicher Praxis und den sozialen und ökologischen Folgen digitaler Technologien.
Zugleich befragt die Ringvorlesung das Spannungsfeld, in dem sich das Institut für Theaterwissenschaft selbst zwischen einer Kritik dogmatischer Anwendungsnarrative und experimentell-reflexiven Ansätzen bewegt. Dazu bringt sie Zugänge aus Theater-, Film-, Musik- und Tanzwissenschaft, Kultur- und Medienmanagement und künstlerische Positionen miteinander ins Gespräch. Was könnte die Rolle von Theoriebildung, Geistesarbeit und Kunstschaffen unter den gegenwärtigen technologischen, ökonomischen und ökologischen Konditionen sein? Im Dialog der Disziplinen entstehen neue Sicht-, Hör-, Denk- und Darstellungsweisen, die technische Verfahren wie die Entwicklung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz nicht isoliert betrachten, sondern in ihren kulturellen, ästhetischen, gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen verhandeln.
Die Vorträge finden in Präsenz statt.

