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Weibliche Stimmen der romanischen Lyrik im 20. und 21. Jh.

Das Lehrprojekt zu Gender und Diversity in der Lehre der romanischen Literaturwissenschaften wird unterstützt durch die leistungsorientierte Mittelvergabe für Frauenförderung und Gleichstellung des Fachbereichs Philosophie und Geisteswissenschaften der Freien Universität Berlin.

Siria De Francesco, Alan Pérez Medrano, Thea Santangelo, Linda Schmidt, Elena von Ohlen

Projektbeschreibung

Das Lehrprojekt verfolgt den Zweck, Gender und Diversity in der Lehre der romanischen Literaturwissenschaften am Institut für Romanische Philologie der Freien Universität Berlin langfristig und nachhaltig zu stärken. Das Ziel ist es, in den vier romanischen Hauptsprachen des Instituts epochenübergreifend für die Gattung Lyrik, auf den Ebenen der Sichtbarkeit weiblicher Autorinnen und der Zugänglichkeit zu deren Texten (auch in Übersetzung), Output für Lehrende und Studierende zu generieren. Einerseits werden Veranstaltungen und Podcasts mit zeitgenössischen Dichterinnen durchgeführt und in die Lehre integriert, andererseits wird ein digitaler Reader mit Lehrmaterial zu Dichterinnen der vier romanischen Hauptsprachen erstellt. Im Fokus des Lehrprojekts steht die erste Studienphase, in der den Studierenden Grundlagen und das Selbstverständnis der studierten Fächer vermittelt werden.

In den kommenden beiden Semestern (WiSe 2020/21 und SoSe 2021) werden einerseits in digitalen Formaten, andererseits in Präsenzveranstaltungen (soweit möglich) acht Dichterinnen aus den vier Sprachräumen – Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch – eingeladen, um ihre lyrischen Texte in Originalsprache zu präsentieren und intertextuelle Bezüge zu anderen Dichterinnen, zeitgenössisch oder aus anderen Epochen, aufzuzeigen, sodass über die eingeladenen Personen hinaus auch andere weibliche Stimmen der Lyrik in dieses panromanistische Projekt Einzug erhalten. Somit sieht das Lehrprojekt nicht nur die Inklusion einzelner Personen vor, sondern auch die Inkorporation einer weiblichen literarischen Tradition in den Lehrkanon. Die Veranstaltungen werden zu seminar- oder seminarunabhängigen Zeiten stattfinden, aber in die Lehre der jeweiligen Proseminare integriert. Zudem sind weitere Lehrveranstaltungen - auch zu anderen Gattungen - nach Möglichkeit miteinzubeziehen.

Die studierendengerechte Aufbereitung des in den Veranstaltungen generierten Materials sieht das anschließende Erstellen von Übersetzungen ins Deutsche vor, die in dem geplanten digitalen Reader gesammelt werden. Nach dieser ersten Veranstaltungsrunde sollen bis zu drei Gedichte pro Sprache übersetzt, für den digitalen Reader aufbereitet und um Informationen zu Dichterinnen und Kontext ergänzt werden. Eine Erweiterung des Materials ist geplant. Dem digitalen Reader wird zudem ein Glossar angehängt, das sich als vorläufige Liste versteht, die epochenübergreifend eine erste Sammlung an Lyrikerinnen der vier Sprachräume anbietet, die in die Lehre integriert werden können (insb. auch für die höheren Semester, da zumeist ohne Übersetzungen). Zudem bietet dieses Glossar auch eine Übersicht weiterer zeitgenössischer Dichterinnen, die für zukünftige Veranstaltungen eingeladen werden können.

Panromanistisch

Das Lehrprojekt beruht auf einer panromanistischen Grundidee, die unabhängig von geographischen Räumen die vier romanischen Hauptsprachen eingliedern und miteinander in Bezug setzen soll. Auf diese Weise wird einerseits von der Idee der Nationalliteraturen Abstand genommen, wobei gleichzeitig postkoloniale Literaturen miteingeschlossen, und andererseits auch die Verbindungen der Einzelsprachen untereinander und die Sprachräume überschreitende Rezeption berücksichtigt werden.

Epochenübergreifend

Aufgrund des umfassenden Anspruchs, der Langfristigkeit und gewünschten Nachhaltigkeit des Projektes ist keine Beschränkung auf eine bestimmte Epoche vorgesehen. Die aus dem Lehrprojekt entstanden Materialien können somit von möglichst vielen Studierenden und Dozierenden im Laufe der kommenden Semester genutzt werden, insbesondere für die ersten Studienphasen, aber auch darüber hinaus.

Gattung Lyrik

Das Lehrprojekt fokussiert lyrische Texte, da dafür bereits ausgearbeitete Plattformen wie die Wikis zur italienischen, portugiesischen und spanischen Metrik bestehen. Diese Plattformen werden ergänzend benutzt und durch das vorliegende Projekt zur Lyrikübersetzung in der Romanistik ausgebaut. Des Weiteren haben Studierende aus gattungsspezifischen Gründen mehr Schwierigkeiten, Zugang zu einem lyrischen Text in Originalsprache zu finden, als es bei einem dramatischen oder narrativen Text in Originalsprache der Fall ist.

Übersetzungsprojekt

Aus diesem Grund schlägt das Lehrprojekt vor, neben der Ausarbeitung eines panromanistischen, epochenübergreifenden Lehrkanons, der auf weibliche Stimmen der Lyrik fokussiert ist, Übersetzungen einzelner lyrischer Texte vorzunehmen, um den sprachlichen Zugang für Studierende zu erleichtern und den Lehrenden einen unkomplizierten Zugang zu aktueller Lyrik zu erleichtern, zu der es oftmals noch keine verfügbaren Lehrmaterialen gibt.

Zugänglichkeit und Verfügbarkeit für Lehrende

Das Lehrprojekt möchte auf zwei konkreten Ebenen parallel arbeiten. Einerseits auf der Ebene der Sichtbarkeit weiblicher Autorinnen für Studierende und Dozierende der romanischen Philologien und andererseits auf der Ebene der Zugänglichkeit von Textmaterial weiblicher Autorinnen in der Lehre der romanischen Literaturwissenschaften.

Zukunftsperspektiven

Das Material kann als Ergänzung zu den bereits vorhandenen Lehrbüchern, die vorwiegend männliche Autoren und deren Werke besprechen, für einen literaturhistorischen Überblick hinzugezogen werden, oder auch als bibliographischer Referenztext fungieren, aus dem sowohl Studierende als auch Lehrende punktuell Texte entnehmen können. Alle Lehrenden der romanischen Literaturwissenschaften sind eingeladen, sich an einer langfristigen Umsetzung und Ergänzung dieses Lehrprojekts zu beteiligen und die generierten Materialien zu nutzen und ggf. auch an Kolleg:innen anderer Universitäten weiterzuempfehlen. Der Anspruch ist es, dieses Lehrprojekt auch über die kommenden Semester hinaus zu fördern, evtl. weitere Gattungen zu integrieren und den digitalen Reader fortlaufend zu ergänzen.