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Zweisprachige Prosodie: Metrik, Rhythmus und Intonation in mehrsprachigen Kontaktsituationen

 

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Beschreibung des Projekts

Das Projekt verfolgt zwei wesentliche Ziele. Einerseits stellen wir akustische Daten amerikanischer Sprachen in einer Weise zur Verfügung, die es Linguist*innen weltweit ermöglichen soll, diese Sprachen in ihre Forschungsperspektiven zu integrieren. Damit wollen wir dazu beitragen, die typologische Basis der Theoriebildung zu erweitern. Gleichzeitig sollen die Sprachen und die von ihnen ausgedrückten Lebensformen durch ihre linguistische Profilierung in Zeiten ihrer extremen Bedrohung sichtbarer gemacht werden (http://gbs.uni-koeln.de/wordpress/).

Das zweite Ziel betrifft den Schwerpunkt unserer eigenen deskriptiven und theoretischen Arbeit. Wir wollen ein besseres Verständnis der Prosodie unter der Bedingung mehrsprachiger Kompetenz erreichen. Die phonologische Form einer Äußerung soll aus dem Zusammenspiel metrischer, rhythmischer und intonatorischer Regeln oder Beschränkungen erklärt werden, die auf unterschiedliche Weise von einzelsprachlichen und universalen Kompetenzen mehrsprachiger Sprecher bestimmt werden. Wir erreichen eine hohe Vergleichbarkeit der Daten, indem wir in allen Gemeinschaften die gleichen Aufnahmeverfahren durchführen, die typische konversationelle Züge zur Bearbeitung des Common Ground kontrolliert elizitieren. Dabei geben wir kommunikativen Spielen, in denen Kontext, diskursiver Verlauf und das lexikalische Material kontrolliert werden, den Vorrang vor sehr stark auf Satzebene kontrollierenden Verfahren wie die Elizitation von vollständig vorgegebenen Äußerungen oder Discourse Completion Tasks, da solche Experimente für die Sprecher*innen sehr ungewohnt sind und wir möglichst natürliche Sprachdaten erstellen wollen.

In der ersten Phase des Projekts (2015–2017) wurde die Prosodie des Quechua von Conchucos in der Provinz Ancash in Peru empirisch erfasst und theoretisch ausgeleuchtet. Für die zweite, aktuell laufende Projektphase (2018–2021) bauen wir auf die Vernetzung mit französischen, chilenischen und mexikanischen Partnern, die seit längerer Zeit über Sprachräume arbeiten, in denen das Spanische und das Portugiesische zusammen mit amerindischen Sprachen gesprochen werden.

Die entstehenden Daten aus allen Teilprojekten werden transkribiert, ins Spanische oder Portugiesische und ins Englische übersetzt, morphologisch glossiert und mit Metadaten auf Englisch, Spanisch und Portugiesisch versehen in einem Repositorium zur Verfügung gestellt.

Das Projekt wird von Prof. Dr. Uli Reich geleitet und durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert (DFG-Projektnummer 274614727).

 

Teilprojekte

Sprache Land Verantwortliche*r Kooperationspartner*innen

Koordination und Repositorium

Deutschland

Uli Reich (FU Berlin)

Raúl Italo Bendezú Araujo, Timo Buchholz, Elizabeth Pankratz (FU Berlin)

Tepehuano

Mexiko

Nadiezdha Torres (Colegio de México)

 

Otomí

Mexiko

Alonso Guerrero Galván (INAH)

Ewald Hekking (U de Querétaro), Aurelio Nuñez López, Lorena Gamper

Maya Yucateco

Mexiko

wird angekündigt

wird angekündigt

Nheengatú

Brasilien

Uli Reich

Antônio Lessa (FU Berlin)

Quechua de Conchucos

Peru

Uli Reich

Raúl Italo Bendezú Araujo, Timo Buchholz

Guaraní

Paraguay

Élodie Blestel (U Paris III)

Hedy Penner, Uli Reich

Mapudungún

Chile

Magaly Ruiz (U de la Frontera)

Aldo Olate, Jaqueline Caniguan

 

Art und Struktur der Aufnahmen

Bei den Sprachdaten, die im Rahmen dieses Projekts entstehen, handelt es sich um Aufnahmen von Elizitationsexperimenten. Bei jedem Experiment lösen die Sprecher*innen unterschiedliche kommunikative Aufgaben in Form eines Spiels, dabei werden sie aufgenommen. Alle zweisprachigen Sprecher*innen führen jedes Experiment zweimal durch, einmal in ihrer lokalen nichtromanischen und einmal in ihrer lokalen romanischen Varietät. Für alle diese Elizitationsexperimente gilt, dass die dabei entstehenden Äußerungen nicht gescriptet sind. Durch die Auswahl der Materialien (siehe "Metrische Kontrolle für die Experimentmaterialien" auf Spanisch oder Englisch), die für jede Sprache und jede Region sorgfältig und unter starker Einbeziehung lokaler Experten angepasst werden, sowie die Vorgaben durch die Spielregeln behalten wir eine gewisse inhaltliche Kontrolle des jeweiligen Gesprächs als Ganzem, aber Inhalt und Form jeder einzelnen Äußerung sind jeweils spontan von den Sprecher*innen gewählt. Zusammen mit den Kooperationspartner*innen in den jeweiligen Ländern und Regionen haben wir uns auf einen Kern an gemeinsamen Experimenten geeinigt. Diese sind teils aus der Literatur bekannt und allesamt durch unsere eigenen Erfahrungen in Conchucos erprobt. Sie sollen in allen beteiligten Ländern und Regionen durchgeführt werden, damit eine möglichst große Vergleichbarkeit entsteht. Gleichzeitig sind hier auch Aufnahmen von Experimenten zu finden, die partikular nur in einer oder mehreren bestimmten Regionen, aber nicht in allen, durchgeführt werden. Dies liegt an unterschiedlichen Forschungsinteressen der Kooperationspartner*innen und Gegebenheiten vor Ort.

Allgemeine Hinweise und Richtlinien für eine technisch reibungslose Durchführung der Aufnahmen finden Sie hier, auf Spanisch oder Englisch.

Im Folgenden werden die einzelnen Experimente kurz vorgestellt. Ausführlichere Experimentbeschreibungen (auf Spanisch und Englisch) sind verlinkt. 

Gemeinsame Experimente

Imagenes (spa / eng): Die Sprecher*innen benennen Objekte, die ihnen auf Bildkarten gezeigt werden.

Memoria (spa / eng): Die Sprecher*innen spielen eine Version des bekannten Spiels Memory, in dem sie die Positionen von Karten mit bestimmten Bildern identifizieren und sich merken müssen.

Maptask (spa / eng): Die Sprecher*innen führen ein Gespräch das eine Wegbeschreibung simuliert, aber die von ihnen verwendeten Karten stimmen nicht miteinander überein.Das Maptask-Experiment wurde ursprünglich von Anderson et al. (1991) entwickelt, deren englischsprachiges Korpus ist an der University of Edinburgh beheimatet und hier verfügbar: http://groups.inf.ed.ac.uk/maptask/

Cuento (spa / eng): In einer adaptierten Version des Spiels Stille Post erzählen die Sprecher*innen eine Geschichte, die von den Forscher*innen erfunden wurde.

Quién (spa / eng): Die Sprecher*innen spielen eine Version des Spiels "Wer bin ich?", in dem eine*r von ihnen die Identität einer Person erraten muss, die nur der/die andere kennt.

Partikulare Experimente

Cajas (spa / eng): Die Sprecher*innen versuchen, den Inhalt mehrerer Kartons zu erraten, ohne diese zu öffnen. Sie diskutieren und verhandeln, bis ein Konsens darüber erreicht wird, was sich darin befindet. (Conchucos)

Condir (spa / eng): Eine angepasste Version eines soziolinguistischen Interviews mit einem*r einsprachigen Sprecher*in, in der der Interviewer dem widerspricht, was der/die Sprecher*in sagt. (Conchucos Quechua) 

Verfügbare Corpora

Die im Rahmen dieses Forschungsprojekts entstandenen Sprachaufnahmen werden zusammen mit Transkriptionen und Übersetzungen sowie Metadaten im Repositorium der Freien Universität Berlin (Refubium) zentral gespeichert und sind so für die Öffentlichkeit frei zugänglich und nicht-kommerziell nutzbar (Creative Commons Lizenz CC BY-NC-SA 4.0). Sie können sehr gerne mit unseren Daten Ihre eigenen linguistischen Forschungen durchführen und wir freuen uns, wenn Sie uns davon berichten, ebenso wie über sonstiges Feedback.

Jedes Einzelcorpus ist im Repositorium durch 4 Dateien repräsentiert:

1. Die Sprachaufnahme selbst, in der Regel die Aufnahme eines einzelnen Experiments, im Format 16-bit PCM .wav.

2. Eine Datei im Format .eaf, die eine auf der Ebene der Äußerung zeitlich mit der Audioaufnahme alignierte Transkription und Glossierung sowie eine Übersetzung auf Spanisch und Englisch enthält (wenn die Aufnahme selbst auf Spanisch oder Portugiesisch ist, fällt die Glossierung weg). Das .eaf-Format gehört zum Annotationsprogramm ELAN, das vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik entwickelt wurde und hier frei erhältlich ist: https://tla.mpi.nl/tools/tla-tools/elan/

3. Eine Datei mit den gleichen Informationen im .TextGrid-Format. Das .TextGrid-Format gehört zum Programm Praat, das von Paul Boersma und David Weenink an der Universität Amsterdam entwickelt wurde und die gängigste Software zur Analyse von Sprachdaten in der Phonetik und Phonologie ist. Praat ist ebenfalls frei erhältlich: http://www.fon.hum.uva.nl/praat/

4. Eine Datei im Format .pdf mit Metadaten zu der Aufnahme, die Informationen zum Experiment und den Sprechenden enthält.

In der folgenden Tabelle finden Sie alle bisher schon veröffentlichten Corpora. Deren Anzahl wird sich im Fortlauf des Projekts stetig vergrößern. Durch einen Klick auf den Namen des Corpus gelangen sie direkt auf die entsprechende Seite im Repositorium der FU, wo sie die Dateien für jedes Experiment einzeln herunterladen können. 

Corpus Region Aufnehmende Enthaltene Experimenttypen Sprache(n)
Quechua 1 Conchucos, Peru

Bendezú Araujo, Raúl

Buchholz,Timo

Reich, Uli

Gemeinsam:

Memoria (7x)

Maptask (7x)

Cuento (7x)

Quién (4 x)

Partikular:

Cajas (4x)

Condir (1x)

Quechua

Zitierempfehlung (am Beispiel von Quechua 1):

Bendezú Araujo, Raúl, Timo Buchholz & Uli Reich. 2019. Corpora amerikanischer Sprachen: Interaktive Sprachspiele aus dem mehrsprachigen Lateinamerika (Quechua 1). Berlin: Freie Universität. https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/25747

Aktuelles vom Projekt: Publikationen, Neuigkeiten

  • 28.10.2019: Der erste Teil der Conchucos-Daten (Quechua 1) ist im Refubium online und ab jetzt für alle frei zugänglich
  • August-Oktober 2019: Uli Reich war mit Élodie Blestel (Paris III) in Asunción (Paraguay) und mit Antônio Lessa in São Gabriel da Cachoeira (Brasilien) und hat Guaraní- und Nheengatu-Aufnahmen für dieses Projekt durchgeführt

 

Mitarbeiter*innen des Projekts

Timo BuchholzRaúl Italo Bendezu Araujo, Elizabeth Pankratz

Die Erstellung und Veröffentlichung von Sprachkorpora ist langwierig und verlangt viele Arbeitsschritte: Die Experimente müssen designt und erprobt und mit lokalen Experten angepasst werden. Materialien müssen erstellt werden. Die Aufnahmen müssen technisch sauber durchgeführt werden. Dann folgt die linguistische Aufbereitung: Transkription, Übersetzung und Glossierung, nach einheitlichen und nachvollziehbaren Kriterein (so weit wie möglich orientiert an den Leipzig Glossing Rules). Schliesslich müssen die Daten technisch so aufbereitet werden, dass sie für eine Onlineveröffentlichung tauglich sind. All das erfordert viele Beteiligte, die alle ihren Beitrag leisten. Unser Dank geht an alle!

Mitwirkende Quechua und Spanisch in Conchucos

Wissenschaftliche Leitung Technische Leitung Lokale Kooperation (Huaraz und Huari) Transkription und Übersetzung Quechua (Huaraz) Glossierung Quechua (Lima) Transkription und Übersetzung Spanisch (Berlin)

Raúl Bendezú Araujo

Timo Buchholz

Uli Reich

Elizabeth Pankratz

Gabriel Barreto

Leonel Menacho Lopez

Yuli Alicia Cadillo Tarazona

Merlín de la Cruz Huayanay

Efraín Rodolfo Montes Palacios

Leidy Felyna Rosales Gonzales

Jeny Elvira Rosas Julca

Nelson Yonatan Sánchez Evaristo

Marco Antonio Trigoso Aching

Loreta Alva Mansilla

Claudia Arbaiza Varela

Minerva Lucero Cerna Maguiña

Freyda Nisbeth Schuler Tovar

Alonso Vásquez Aguilar

Magalí Bertola

Catalina Torres Orjuela

 

Ressourcen