Springe direkt zu Inhalt

Neuerscheinung

Susanne Scharnowski: Heimat. Geschichte eines Missverständnisses. wbg

academic: Darmstadt, 11.04.2019.

News vom 15.04.2019

 

Diese Untersuchung des umkämpften Wortes "Heimat" hat zwei Hauptteile: Die fünf Kapitel des ersten Teils gehen chronologisch vor und zeichnen die Kultur-, Diskurs- und Bedeutungsgeschichte der Heimat bis in die 1950er-Jahre nach. Das erste Kapitel erläutert, warum es verfehlt ist, die emotionale Aufladung des Wortes ‚Heimat‘ der Romantik zuzuschreiben. Das zweite Kapitel weist nach, dass moderne Vorstellungen von Heimat entscheidend von einem heute fast vergessenen deutsch-jüdischen Schriftsteller des Vormärz geprägt wurden. Das dritte Kapitel zeigt, dass die deutsche Heimatbewegung um 1900 weder von vornherein ausschließlich als völkische Bewegung zu lesen ist noch als rein deutsches Phänomen gelten kann. Das vierte Kapitel zeichnet nach, wie Heimat in Kolonialismus, Erstem Weltkrieg und Nationalsozialismus zur Ideologie wurde, die sich für politische Propaganda einsetzen ließ. Das fünfte Kapitel demonstriert, wie das umkämpfte Konzept Heimat in der Nachkriegszeit von Stadtplanern, Vertriebenenverbänden, Politikern in West und Ost, aber auch von der Kulturindustrie kritisiert, vereinnahmt, neu definiert, idealisiert oder instrumentalisiert wurde.

Der zweite Teil des Buches stellt gesellschaftliche Debatten und kulturelle, soziale und politische Entwicklungen seit den 1960er-Jahren dar, in denen Heimat relevant wurde. Hier wird erläutert, wie Heimat mit Kitsch zusammenhängt; warum Nostalgie ebenso schlecht beleumundet ist wie Heimat und wie es dazu kam, dass in den 1970er-Jahren eine linke Heimatbewegung entstand; wie die relativ neue Idee, Heimat sei ein Gefühl, mit der Entwicklung der hypermobilen, individualistischen und hedonistischen Erlebnisgesellschaft zusammenhängt; warum es ein Unterschied ist, ob wir von der Welt oder von der Erde als Heimat sprechen, und warum Heimat für amerikanische Umweltaktivisten wichtig ist.

Schließlich wird dafür plädiert, Heimat als Ort zu verstehen, um das politische und gesellschaftliche Potenzial eines zeitgemäßen Heimatbegriffs aufzuzeigen.

 

 

Zur Verlagsseite: https://www.wbg-wissenverbindet.de/14859/heimat

3 / 3