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Von Meeresfeindschaft zur Meeresfreundschaft: See und Seefahrt in der deutschen Literatur des langen 18. Jahrhunderts (Arbeitsversion) - (Dissertationsprojekt)

Institution:

Institut für Deutsche und Niederländische Philologie - Neuere deutsche Literatur

Projektleitung:
Projektlaufzeit:
01.10.2023 — 30.09.2027
Ansprechpartner/in:
Prof. Dr. Müller-Tamm, Prof. Dr. Michael Gamper

Die vorliegende Dissertation berührt das hoch aktuelle Forschungsfeld der „blue humanities“, die vor allem im englischen Sprachraum angewachsen ist und auch die deutschen Wissenschaftler sehr angezogen hat, wie z. B. Hans Blumenberg (1979), Burkhardt Wolf(2013) und Bernhard Siegert (2024). Man diagnostiziert eine Dämonisierung des Meers als Sphäre der Unberechenbarkeit, Gesetzlosigkeit und Orientierungswidrigkeit in der abendländischen Kultur, die bis auf die Antike zurückreicht. Doch vom 18. Jahrhundert an hat sich diese traditionelle Vorstellung von Grund auf verändert: Vom barocken Theater des Schreckens geht es Schritt für Schritt im folgenden Jahrhundert in eine Ästhetisierung des Blicks auf das Meer über, und die Seefahrt tritt fortschreitend in den Bund mit dem Wagnis und dem Mut zum Aufbruch.

Das Ziel dieser Forschung liegt darin, den Paradigmenwechsel von Meeresfeindschaft zu Meeresfreundschaft im Laufe des langen 18. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum anhand einiger ausgewählter Dichter in ihren jeweiligen historischen, ästhetischen und wissenschaftlichen Kontexten nachzugehen. Dabei soll die Leitfrage beantwortet werden, unter welchen spezifischen Voraussetzungen und konkreten Bedingungen sich die Entwicklung vollzog. Dafür ist eine Kombination von Makro- und Mikroanalysen erforderlich: einerseits die Verfolgung von individuell biografischen sowie psychologischen Mikrostrukturen auf der Basis tiefgehender Textanalyse, andererseits bilden geopolitische, historische, technische und religiöse Makrostrukturen den äußeren Rahmen, welche einen globalen Dialog zwischen Europa und Außereuropa über den nationalen und eurozentrischen Blickwinkel hinaus ermöglichen. Somit verfügt die Studie voraussichtlich über ein riesiges Arsenal von traditionellen wie neueren methodischen Vorgehen inklusive Literatur-, Kunst-, und Geistesgeschichte, Globalgeschichte, Poetologie des Wissens, Ecocriticism, postkoloniale Theorien usw.