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Sprachliche (Un)höflichkeit im Deutschen: Pragmatische Variation in Aufforderungs- und Beschwerdekontexten (Arbeitstitel) - (Dissertationsprojekt)

Institution:

Institut für Deutsche und Niedeländische Philologie - Historische Linguistik

Projektleitung:
Projektlaufzeit:
01.04.2023 — 31.03.2027
Ansprechpartner/in:
Prof. Dr. Horst Simon & Prof. Dr. Tanja Ackermann (Universität Bielefeld)

[DE] Wer gilt im Deutschen als höflich – und wer als unhöflich? Darüber kursieren viele Zuschreibungen: Schweizer*innen führen die direkten Deutschen an. Unfreundliche Großstädter*innen trifft es länderunabhängig. Und Jugendlichen ist höfliche Sprache erst recht unbekannt. Belastbare empirische Forschungsdaten gibt es aber kaum.

 Genau hier setzt meine Dissertation an. Ich untersuche, wie sprachliche (Un)höflichkeit in konkreten Alltagssituationen im Vergleich von Sprecher*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz tatsächlich realisiert wird. Grundlage dafür sind Rollenspielszenarien, in denen über 1.000 Teilnehmende Aufforderungen und Beschwerden formuliert haben. Diese Sprachdaten verknüpfe ich systematisch mit soziodemographischen Informationen wie Region, Alter, Mobilität und weiteren sozialen Merkmalen.

 So lässt sich zeigen, ob und wie sich kommunikative Muster zwischen Ländern, Regionen oder Altersgruppen unterscheiden – und welche verbreiteten Stereotype sich empirisch bestätigen oder widerlegen lassen. Meine Arbeit schließt damit eine Forschungslücke für das Deutsche und macht deutlich, wie vielfältig und kontextabhängig pragmatisches Handeln ist.

 Die Dissertation ist Teil des Forschungsprojekts „Variantenpragmatik des Deutschen – Kommunikative Muster im Vergleich“ (Teilprojekt P2).

 [EN] Who is considered polite in German – and who is perceived as impolite? Many assumptions circulate: Swiss speakers often single out direct German speakers. Unfriendly people from large cities are targeted regardless of country. And young people, supposedly, are especially unfamiliar with polite language. However, there is hardly any robust empirical research data to support these claims.

 This is precisely where my dissertation comes in. I investigate how linguistic (im)politeness is actually realized in concrete everyday situations, comparing speakers from Germany, Austria, and Switzerland. The study is based on role-play scenarios in which more than 1,000 participants formulated requests and complaints. These linguistic data are systematically linked to sociodemographic information such as region, age, mobility, and other social characteristics.

 This makes it possible to show whether and how communicative patterns differ between countries, regions, or age groups – and which widespread stereotypes can be empirically confirmed or refuted. My work thus closes a research gap for German and highlights how diverse and context-dependent pragmatic behavior is.

 The dissertation is part of the research project “Variational pragmatics of German –Comparing communicative patterns” (subproject P2).