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Lina Meruane „The face: an approach from many angles“ Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft Sommersemester 2020: Montag von 14 bis 16 Uhr im Raum KL 32/202

Copyright_Lorena Palavecino

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Die chilenische Schriftstellerin und Professorin Lina Meruane ist im Sommersemester 2020 die 43. Samuel Fischer-Gastprofessorin für Literatur am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin.

Meruane wurde 1970 in Santiago de Chile geboren und studierte Lateinamerikanische Literatur an der New York University, an der sie zudem promoviert wurde und heute als Professorin Literatur im Rahmen des Liberal Studies Program lehrt. Zugleich ist sie als Gründerin und Direktorin des unabhängigen New Yorker Verlags Brutas Editoras tätig. Meruanes schriftstellerisches Werk wurde 2011 mit dem Anna Seghers-Preis der Universität der Künste Berlin ausgezeichnet und umfasst einen Erzählband, fünf Romane, ein Theaterstück sowie mehrere akademische Essaybände. In ihrem literarischen Schreiben setzt sich die Autorin unter anderem kritisch mit den aktuellen politischen Machtverhältnissen und Herausforderungen in Chile auseinander.

In ihrem preisgekrönten Roman Fruta Podrida (2007) sucht Meruane anhand der Allegorie des Körpers als Austragungsort politischer Konflikte Antworten auf die Herausforderungen der lateinamerikanischen Moderne, die durch den Einfluss globaler ökonomischer Entwicklungen entstehen. Für ihren ersten ins Deutsche übersetzten Roman Sangre en el ojo aus dem Jahr 2012 (dt. Rot vor Augen, Arche Literatur Verlag 2018) erhielt Meruane den Sor Juana Inés de la Cruz Prize. Angesichts des Ausbruchs einer Augenerkrankung der Protagonistin hinterfragt sie in ihrem Buch Konzepte körperlicher und kultureller Identität. In ihrem jüngsten Essayband Volverse Palestina (2016), der im März 2020 in deutscher Sprache unter dem Titel Heimkehr ins Unbekannte. Unterwegs nach Palästina im Verlag Berenberg erscheint, beschäftigt sich Meruane anhand ihrer eigenen Erfahrungen auf der Suche nach ihren palästinensischen Wurzeln mit dem Nahostkonflikt; der Band wurde mit dem Preis des Chilenisch-Arabischen Kulturinstituts ausgezeichnet. Ihr zuletzt erschienener Roman Sistema nervioso (2018) erarbeitet eine Familiengeschichte anhand der klinischen Biographien ihrer Mitglieder.

Während Lina Meruane bereits als eine der profiliertesten weiblichen Stimmen der chilenischen Gegenwartsliteratur gilt, wird ihr Werk zunehmend in Deutschland gewürdigt. Ihre Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt und teilweise verfilmt.

Im Rahmen der Samuel Fischer-Gastprofessur wird Lina Meruane im Sommersemester 2020 ein Seminar mit dem Titel „The face: an approach from many angles“ unterrichten. Im Kurs wird der Frage nach der historischen und zeitgenössischen Bedeutung des Gesichts nachgegangen. Mithilfe anthropologischer und philosophischer Ansätze wird es hierbei als ein Ort politischer und kultureller Bedeutung sowie in seinem symbolischen Gehalt in der Literatur und in den visuellen Künsten untersucht. Vor dem Hintergrund von wissenschaftlichen Entwicklungen, die bis hin zur aktuellen Nutzbarmachung von digitalen Gesichtsarchiven für Überwachungszwecke führt, wird die Zentralität des Gesichtes in verschiedenen Forschungsfeldern herausgestellt. Die ausgewählte Kursliteratur beinhaltet Werke aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten sowie Fachdisziplinen und stellt unter anderem Texte und Kunstwerke japanischer, nigerianischer, argentinischer, mexikanischer, italienischer, französischer und österreichischer Künstler*innen und Wissenschaftler*innen in den Fokus des Seminargespräches.

Das Seminar von Lina Meruane entfällt im Sommersemester 2020 und wird voraussichtlich in einem späteren Semester stattfinden.