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Thomas Lehr

Heiner Müller-Gastprofessor im Sommersemester 2011

Thomas Lehr wurde 1957 in Speyer geboren. Er besuchte Gymnasien in Speyer und Ludwigshafen und machte dann schließlich sein Abitur in Ludwigshafen. Seit 1979 lebt er in Berlin. Nach einem Studium der Biochemie / Naturwissenschaften an der Freien Universität arbeitete er längere Zeit als Systemverwalter und Programmierer in der Datenverarbeitung einer wissenschaftlichen Bibliothek der FU Berlin. Seit 1999 ist er ausschließlich freier Schriftsteller.

(Quelle: literaturport.de)

Auszeichnungen (Auswahl)

  • 1994  Rauriser Literaturpreis für die beste deutschsprachige Erstveröffentlichung
  • 1996  Förderpreis Literatur zum Kunstpreis Berlin der Berliner Akademie der Künste
  • 1999  Rheingau Literatur Preis
  • 2002  Georg-K.-Glaser Preis des Landes Rheinland Pfalz und des SWR
  • 2005: Nominierung des Romans 42 für den Deutschen Buchpreis
  • 2006  Kunstpreis des Landes Rheinland-Pfalz
  • 2010 Pfalzpreis für Literatur
  • 2010: Nominierung des Romans September. Fata Morgana für den Deutschen Buchpreis
  • 2011  Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung in Verbindung mit der Heiner Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik an der Freien Universität Berlin

Publikationen (Auswahl)

  • Zweiwasser oder Die Bibliothek der Gnade. Roman. Rütten und Loening 1993
  • Die Erhörung. Roman. Aufbau 1995
  • Nabokovs Katze. Roman. Aufbau 1999
  • Frühling. Novelle. Aufbau 2001
  • 42. Roman. Aufbau Verlag 2005

  • September. Fata Morgana. Roman. Hanser 2010

Die Jury des Berliner Literaturpreises 2010

– Sigrid Löffler, Ulrich Janetzki, Ulrich Khuon, Norbert Miller und Winfried Menninghaus – begründete die Zuerkennung der Auszeichnung u. a. mit den Worten:

Der Berliner Literaturpreis 2011 der Stiftung Preußische Seehandlung wird dem in Berlin lebenden Schriftsteller und gelernten Biochemiker Thomas Lehr für sein singuläres Prosawerk zugesprochen, in dem Naturwissenschaft und Literatur die eigentümlichsten Verbindungen eingehen. In jedem seiner erzählenden Werke – bisher fünf Romane und eine Novelle – manifestiert sich Lehrs ausgeprägter und höchst wandlungsfreudiger Formwille, der ihn dazu bestimmt, seine Sprach- und Gedankenexperimente und sein Spiel mit technizistischen Weltbildern von Buch zu Buch immer artistischer aufzufächern und mit einer Vielzahl von Themen und zeitgenössischen Diskurs-Elementen zu unterfüttern.

Stets geht Lehrs Schreiben von einer intellektuellen, emotionalen oder politischen Initialzündung aus, die dann eine komplexe und ästhetisch anspruchsvolle Erzählmaschine in Gang setzt – sei es das philosophische Gedankenexperiment eines Zeitstillstands (im Roman 42) oder sei es die Verschränkung von westlicher und östlicher Perspektive auf die New Yorker Attentate und auf den Irakkrieg (im Roman September. Fata Morgana). Lehrs verfeinerte narrative Technik lässt den Erzähler inzwischen ganz verschwinden und löst ihn auf in einer genau komponierten Polyphonie der Stimmen. In der zwingenden Korrespondenz von Form und Inhalt und in der ambitionierten Suche nach immer neuen Darbietungsformen hat Thomas Lehr in der deutschsprachigen Literaturszene nicht seinesgleichen.

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