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Ilma Rakusa

Ilma Rakusa

Ilma Rakusa
Bildquelle: Giorgio von Arb

Gastprofessorin für deutschsprachige Poetik der Stiftung Preussische Seehandlung
an der Freien Universität Berlin.
Die Preisverleihung des Berliner Literaturpreises 2017 an Ilma Rakusa fand am 20. 2. 2017 im Berliner Rathaus statt.

Antrittsvorlesung:

"Die Geschwindigkeiten der Literatur. Sondierungen auf dem Gebiet der Poetik und Prognostik."
Do. 18. Mai 2017, 18h c.t., im FU-Seminarzentrum L 116, Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin

Autorenkolleg im SoSe 2017:  "Schreiben - zwischen Dringlichkeit und Handwerk"

Es geht in diesem Blockseminar um Schreibmotivation und die Frage, wie literarische Vorhaben sprachlich adäquat umgesetzt werden können, damit sie ihren eigenen Prämissen genügen. Wir werden einige Fremdtexte lesen und analysieren, bevor die Arbeiten der Studierenden besprochen werden.


Kurzbiographie:

Ilma Rakusa wurde am 2. Januar 1946 als Tochter eines Slowenen und einer Ungarin in Rimavská Sobota (Slowakei) geboren. Ihre frühe Kindheit verbrachte sie in Budapest, Ljubljana und Triest. 1951 übersiedelte sie mit ihren Eltern nach Zürich.

Von 1965 bis 1971 studierte sie Slawistik und Romanistik in Zürich, Paris und Leningrad. Nach der Promotion arbeitete sie als Assistentin, später als Lehrbeauftragte am Slawistischen Institut der Universität Zürich.

1977 debütierte sie mit der Gedichtsammlung "Wie Winter", seither sind zahlreiche Lyrik-, Erzähl- und Essaybände erschienen.

Ilma Rakusa übersetzt aus dem Russischen, Serbokroatischen, Ungarischen und Französischen.

Als Herausgeberin und Publizistin (Neue Zürcher Zeitung, Die Zeit) setzt sie sich vor allem für die Vermittlung osteuropäischer Autoren ein. Ihre Arbeit wurde mit namhaften Preisen ausgezeichnet, so dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung, dem Adelbert-von-Chamisso-Preis, dem Schweizer Buchpreis und dem Manès-Sperber-Preis.

Seit 1996 ist Ilma Rakusa Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, 2010/2011 war sie Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Sie lebt in Zürich.

 

Publikationen (Auswahl):

Farbband und Randfigur. Vorlesungen zur Poetik (Droschl, Graz 1994)

Ein Strich durch alles. Neunzig Neunzeiler (Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1997)

Love after love. Acht Abgesänge (Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2001)

Von Ketzern und Klassikern. Streifzüge durch die russische Literatur (Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2003)

Durch Schnee. Erzählungen und Prosaminiaturen (Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2006)

Zur Sprache gehen. Dresdner Chamisso-Poetikvorlesungen (Thelem, Dresden 2006)

Mehr Meer. Erinnerungspassagen (Droschl, Graz 2009)

Aufgerissene Blicke. Berlin-Journal (Droschl, Graz 2013)

Einsamkeit mit rollendem r. Erzählungen (Droschl, Graz 2015)

Autobiographisches Schreiben als Bildungsroman. Stefan-Zweig-Poetikvorlesung (Sonderzahl, Wien 2015)

Impressum: Langsames Licht. Gedichte (Droschl, Graz 2016)

 

Übersetzungen (Auswahl):

Marina Zwetajewa: Mutter und die Musik. Autobiographische Prosa (Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1987)

Marina Zwetajewa: Im Feuer geschrieben. Ein Leben in Briefen (Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1992)

Danilo Kiš: Sanduhr. Roman (Hanser, München 1988)

Danilo Kiš: Ein Grabmal für Boris Dawidowitsch. Roman (Hanser, München 2004)

Imre Kertész: Ich - ein anderer (Rowohlt Berlin, Berlin 1998)

Péter Nádas: Ohne Pause. Drei Stücke (Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999)

Marguerite Duras: Der Liebhaber (Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1984)

Marguerite Duras: Im Sommer abends um halb elf (Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1990)

 

Jury-Begründung Berliner Literaturpreis:

 

"Ilma Rakusa wurde 1946 in der Slowakei als Tochter eines Slowenen und einer Ungarin geboren und verbrachte ihre frühe Kindheit in Budapest, Ljubljana und Triest. Danach wechselte sie nach Zürich, wo sie ihre Schulzeit verbrachte und ein Studium der Slawistik und Romanistik begann, das sie in Paris und Leningrad fortsetzte. Diese multinationale und mehrsprachige Biographie schlägt sich in ihrem literarischen Schaffen nieder. Rakusa ist eine maßgebliche Stimme jener auch von Migrationserfahrung geprägten vielsprachigen mitteleuropäischen Literatur, die durch nationalistischen Terror und kommunistische Diktaturen marginalisiert und aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt wurde. In ihrem literarischen Schaffen wird auf sensible und poetische Weise die kulturelle Vielfalt und Vielstimmigkeit Europas thematisiert. Formal sind alle Gattungen vertreten, insbesondere Erzähltexte und Lyrik. Rakusas Literatur zeichnet sich durch aussergewöhnliche Sprach- und Formbewusstheit und Musikalität sowie durch einen übernationalen Anspielungshorizont aus, ihre poetologischen Arbeiten bestechen durch seltenes Reflexionsniveau. An ihrem jüngst erschienenen Gedichtband Impressum: Langsames Licht, der eine im Alltäglichen versteckte wunderbare Welt offenlegt, wurde "ein künstlerisches Gleichgewicht von Pathos und Beiläufigkeit" gelobt, das als "Ton der Gegenwart" das heutige Leben charakterisiere (Franz Schuh). Neben ihrer eigenen literarischen Arbeit wirkt Ilma Rakusa als Übersetzerin sowie als Vermittlerin internationaler Literatur."