Springe direkt zu Inhalt

Coranus Graecus

Die älteste überlieferte Koranübersetzung in der «Ἀνατροπὴ τοῦ Κορανίου» des Niketas von Byzanz.

Einleitung - Text - Übersetzung - Kommentar

 

Die Dissertationsschrift von Manolis Ulbricht (promoviert) analysiert die griechische Koranübersetzung aus dem 8./ 9. Jahrhundert n. Chr., vergleicht sie mit dem arabischen Original und kommentiert die Unterschiede, um daraus Erkenntnisse über das frühe christlich-muslimische Verhältnis zu gewinnen. Die Übersetzung anonymer Autorschaft enthält, obgleich im allgemeinen sehr wortgetreu, einige textlich subtile, jedoch theologisch höchst relevante Modifikationen im Vergleich zum heutigen arabischen Korantext. Mit dieser wohl ältesten Koranübersetzung überhaupt scheint uns eine christliche Hermeneutisierung des Koran vorzuliegen.


Die Übersetzung ist in einem polemischen Werk des Niketas von Byzanz (9. Jh. n. Chr.) als codex unicus (Vat. gr. 681) fragmentarisch überliefert. Niketas lebte in der Reichshauptstadt Konstantinopel zu einer Zeit höchster militärischer und intellektueller Aktivität sowie in einem Klima interkulturellen Austauschs mit dem islamischen ʿAbbasidenkalifat. In seiner «Ἀνατροπὴ τοῦ Κορανίου» („Widerlegung des Koran“) zitiert und paraphrasiert Niketas aus der ihm wahrscheinlich vollständig und schriftlich vorliegenden, heute jedoch verlorenen griechischen Koranübersetzung, um darauf aufbauend den Islam als ,Irrlehre‘ zu erweisen.

In der Dissertationsschrift wurden alle Koranfragmente aus der Islam-Polemik des Niketas extrahiert, kritisch ediert, übersetzt und mit dem arabischen Text synoptisch gegenübergestellt, um dann die beiden Textversionen in einem philologisch-theologischen Kommentar zu untersuchen und die Forschungsergebnisse historisch-geistesgeschichtlich einzuordnen. Auf Grundlage dieser Analyse konnten Rückschlüsse auf den anonymen Übersetzer und sein Verständnis des Koran sowie auf dessen Textgeschichte gezogen werden. Darüber hinaus wird die selektive und manipulative Verwendung der Koranübersetzung durch Niketas von Byzanz in seiner „Widerlegung des Koran“ herausgearbeitet, da er einer der wirkungsmächtigsten Polemiker war: Niketas’ Rezeption reichte nicht nur im byzantinischen Raum bis in das 13. Jahrhundert, sondern auch im Lateinischen Europa ist sein Einfluss auf das westliche Bild vom Islam bis in die Neuzeit hinein fassbar.

Das Forschungsprojekt ist interdisziplinär angelegt und behandelt sowohl byzantinistische als auch koranwissenschaftliche Fragestellungen und Perspektiven christlicher sowie islamischer Theologie unter Verwendung griechischer und arabischer Philologie. Erstmals wird hier Niketas von Byzanz (9. Jh.) und die bei ihm überlieferte frühe Koranübersetzung (8./ 9. Jh.) umfassend untersucht, das Material systematisch aufbereitet und im Kontext seiner Zeit betrachtet. Wir haben es hier mit einer Frühform des interreligiösen Dialoges zu tun, dessen kritische und wissenschaftliche Aufarbeitung einen Beitrag für aktuelle Fragestellungen in unserer heutigen Gesellschaft leistet.

 

Parallel zur gedruckten Fassung der Edition (S. 187–558) wurde die gesamte Transkription des Manuskripts Vat. gr. 681 nach TEI-XML-Standards (p5-Richtlinien) ausgezeichnet und unter Anwendung von xslt statisch webfähig (xHTML) gemacht (siehe Projektbeschreibung zur Erstellung einer digitalen Edition des Coranus Graecus). Die mit CSS gelayoutete Website liegt als Beta-Version vor und wurde am 14.07.2015 erstmals und hochschulöffentlich präsentiert.

 


 

Weiterführende Links

Magisterarbeit von Manolis Ulbricht „Die Fragmente einer griechischen Koranübersetzung“ (Inhaltsverzeichnis) Zusammenfassung der Dissertation von Manolis Ulbricht „Coranus Graecus. Die älteste überlieferte Koranübersetzung in der «Ἀνατροπὴ τοῦ Κορανίου» des Niketas von Byzanz. Einleitung, Text, Übersetzung, Kommentar“ Projektbeschreibung Erstellung einer digitalen Edition des „Coranus Graecus Lehrprojekt „Digitalisierung der Philologie - Das Corpus Coranicum Christianum Das Corpus Coranicum Christianum