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Strukturalistische Narratologie III

 

Roland Barthes (1988, französisches Original 1966) bezieht sich auf drei Ebenen, deren Unterscheidung sinnvoll ist, selbst wenn er selbst seine Ausführungen selbst nur eine „provisorische Skizze“ genannt hat. Barthes (1988), S. 108: „So manche tastende Versuche werden noch erforderlich sein, bis die Erzählebenen gesichert vorliegen.“

Die Ebenen Barthes’ lauten:
1. Die Ebene der Funktionen, auf der eine Segmentierung des Erzähltextes vorgenommen werden muss. Da Barthes nicht von einem Handlungsmodell ausgeht, das heißt bestimmte Segmente an Personen bindet, setzt er verschiedene Klassen von Funktionseinheiten an. Er unterscheidet distributionelle, metonymische Funktionen (eine Einheit korreliert stets mit einer anderen) von integrativen und metaphorischen, die er Indizien nennt. Die Indizien geben Hinweise auf die Atmosphäre in einer Situation oder den Charakter der Protagonisten; „[...] die einen entsprechen einer Funktionalität des Tuns, die anderen einer Funktionalität des Seins.“ Barthes (1988), S. 112. Funktionen können Kardinalfunktionen (Kerne), d. h. entscheidend für den Fortgang der Geschichte sein, oder Katalysen, die rein chronologisch-konsekutiv sind. „Die Kardinalfunktionen sind die Risikomomente der Erzählung; zwischen diesen Alternativpunkten, diesen ‚dispatchers‘, legen die Katalysen Sicherheitszonen, Ruhepausen, Luxus an.“ Barthes (1988), S. 113. Bei den Indizien muss man „zwischen Indizien im engeren Sinn unterscheiden, die auf einen Charakter, ein Gefühl, eine Atmosphäre (etwa des Verdachts) oder eine Philosophie verweisen, und zwischen Informanten, die zum Erkennen und Zurechtfinden in Raum und Zeit dienen“ Barthes (1988), S. 114.. Für Barthes ist es nun wichtig, eine logische Folge der Kardinalfunktionen herauszufiltern und zu einer Sequenz zusammenzufügen. Diese Sequenzen können verschachtelt und verschieden aufeinander bezogen sein. An dieser Stelle dürften auch die Beobachtungen Todorovs von Nutzen sein.
2. Die Ebene der Handlungen. Das Problem der Strukturalisten mit den Protagonisten eines Textes wurde bereits erwähnt. Barthes will ebenfalls die Aktanten an die Handlungen geknüpft sehen.
3. Die Ebene der Narration. Dabei geht es um den Code des Erzählers, d. h. um personales und apersonales Sprechen, sowie um die Erzählsituation.