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Das filmische Zeichen II

Um das Bedeutungspotential des filmischen Zeichens noch weiter zu verifizieren, unterscheidet man wie in der Literatur zwischen Denotation und Konnotation. An dieser Stelle wird noch ein weiterer Aspekt des Zeichens wichtig, der bis jetzt unbeachtet blieb: der Code. Ein Code stellt die Regeln bereit, die zur arbiträren Korrelation zwischen Signifikant und Signifikat führen. Vgl. Umberto Eco: Theorie der Codes. In: Ders.: Semiotik. Entwurf einer Theorie der Zeichen, übersetzt von Günter Memmert. 2. Auflage. München 1991, S. 76–107. D. h. er stellt die Regeln bereit, die unter den Zeichenbenutzern konventionell ‚vereinbart‘ wurden und die dazu führen, dass alle Zeichenbenutzer bei der Zeichenfolge – oder eben dem filmischen Bild – ‚Pistole‘ den dazu passenden Inhalt finden. Ein Code setzt eine kulturelle Welt voraus, in der es sogar irrelevant ist, ob die außersprachlichen Referenten fiktiv, real oder gegenständlich sind. Daher können in einer Geschichte auch Dinge auftauchen, die keinen gegenständlichen außersprachlichen Referenten brauchen, obwohl im Film durch die bildliche Darstellung die Nähe zum Referenten dominanter ist als in der Literatur. Aber allein die ‚Vereinbarung‘ unter den Zeichenbenutzern reicht aus, um zu wissen, wie z. B. ein Außerirdischer aussieht oder was das Wort ‚Mord‘ bedeutet. Codes sind die Basis, auf derer Menschen sich verständigen, ansonsten wäre es nicht möglich, eine Geschichte mehreren Menschen zu erzählen und von ihnen in etwa gleich verstanden zu werden. Selbstverständlich verfügen nicht alle Menschen über die gleichen Codes. Das Coderepertoire ist von verschiedenen Faktoren (z. B. Sozialisation, Bildung, Religion usw.) abhängig, die unter der Einheit des kulturellen Kontextes subsumiert werden können.
Zurück zu Denotation und Konnotation: Ein Zeichen kann sich lediglich innerhalb seiner Ausdrucks- und Inhaltsebene bewegen. Die Pistole würde dann schlichtweg als solches gesehen werden, was sie ist: eine Pistole. Diese Bedeutung ist denotativ, gewissermaßen ‚wörtlich‘ bzw. ‚bildlich‘ zu verstehen. Ein Zeichen, egal in welchem Zeichensystem, kann aber darüber hinaus noch konnotative Bedeutungen haben, die sich an die denotative Bedeutung anlagern und die vom jeweiligen Coderepertoire der Zuschauer abhängig sind. Im Fall der Pistole ist es z. B. der kulturell angeeignete Code, dass eine Pistole, die im See versinkt, meistens eine Mordwaffe ist, die versteckt werden soll.
Mit Hilfe von rhetorischen Figuren aus der Literatur lassen sich die Konnotationen näher beschreiben: Die Pistole könnte z. B. eine Metonymie sein. Sie stellt ein assoziiertes Teil eines Ganzen dar, das wir als ‚Mord‘ oder ‚Kriminalfall‘ bezeichnen können.