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Zusammenfassung

Zusammenfassung

„Jackie Brown“ dient bei der Analyse der Zeit der filmischen Erzählung als dankbares und zugleich anspruchsvolles Beispiel dafür, wie ein Film in der Lage ist, die Aspekte der Zeit einer Erzählung mit seinen Mitteln einzusetzen. Der Beispielfilm macht sich das „Spiel mit der Zeit“ (S. 110) zum narrativen Schwerpunkt, indem er in seiner Erzählung fast sämtliche Möglichkeiten filmischer Anachronie ausreizt. Auf diese Weise erzeugt er ein Höchstmaß an Spannung und bescheinigt seiner Hauptfigur nebenbei eine große Portion Scharfsinn. Die Anwendbarkeit der Genetteschen Kategorien ist teilweise verblüffend, bedenkt man, wie sehr sich Film und Literatur in der Realisation ihrer Zeitlichkeit unterscheiden.
So kann vor allem die Ordnung eines Films höchst anachron ausfallen, wobei bei „Jackie Brown“ hauptsächlich Analepsen und Paralipsen gewählt wurden, um die Ordnung der Geschichte auf Ebene der Erzählung durcheinander zu wirbeln.
Bei der Dauer der Erzählung muss die grundlegend szenische Erzählweise eines Films mitgedacht werden. Unter diesen Voraussetzungen ist es denkbar, dass Handlungen pausieren oder zusammengefasst werden. Die Ellipse setzt ein Umdenken in ein anderes Medium bzw. Zeichensystem voraus: Ein Film erzählt über die Montage per se elliptisch, darüber hinaus gibt es durchaus implizite und explizite Ellipsen.
Zeitliche Frequenzen der filmischen Erzählung sind ebenfalls nur unter gewissen Voraussetzungen denkbar: Die Genettesche Formel ‚x-mal erzählen, was x- mal passiert ist‘ (vgl. S. 82–83) bezieht sich sowohl auf den auditiven als auch auf den visuellen Kanal des Films und kann mit beiden gleichzeitig oder nur mit einem der beiden Kanäle umgesetzt werden. Bei der zeitlichen Frequenz ist es meist das repetitive Erzählen, was neben dem singulären Erzählen im Film vorkommt.
Auch lässt sich Genettes Bemerkung über die Gleichzeitigkeit der ‚Zeitspiele‘ auf filmisches Erzählen generell übertragen: Die repetitiven Erzählungen z. B. können in Form von Analepsen erzählt werden und stellen aufgrund ihres redundanten Charakters manchmal eine Form der Pause dar. Die iterative Erzählung hingegen hat immer auch summarischen Charakter, sie fasst – und das oft analeptisch – zusammen, was mehrmals passiert ist (vgl. S. 102).