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Dauer

Dauer

Variationen der Dauer einer filmischen Erzählung sind zunächst weniger offensichtlich zu erschließen als die Ordnung, denn auf den ersten Blick lebt der Film doch von der Szene im Sinne einer dialogischen Präsentation der Geschichte (hiermit ist nicht die filmdramaturgische Einheit der ‚Szene‘ gemeint). Die szenische Darstellung ist einer der Gründe, warum frühere Erzähltheoretiker den Film lieber in die Nähe des Theaters rücken wollten, als ihn zu den ‚epischen‘ Kunstgattungen wie der romanesken Erzählung zu zählen. Abgesehen davon, dass es im Bereich der Theaternarratologie längst Konsens ist, dass auch szenische Darstellungen diegetische Momente aufweisen können, wurde in der vorherigen Lerneinheit bereits erklärt, wie der Film über das kinematographische Material in der Lage ist, seine narrative Instanz zu präsentieren, die auch diegetisch sein kann. Trotzdem lässt es sich nicht von der Hand weisen, dass das vorherrschende narrative Tempo im Film die Szene ist, in der die Erzählzeit gleich der erzählten Zeit ist. Durch die folgenden Beispiele wird dieser Eindruck ein wenig revidiert: Der Film ist nämlich durchaus in der Lage, sein narratives Tempus zu variieren, d. h. Anisochronien (S. 62) herzustellen, allerdings immer unter Voraussetzung der Szene. Ansonsten würden Filme lediglich Handlungen erzählen können, die sich innerhalb von 90 oder circa 120 min. abspielen und in denen die (Pseudo-)Erzählzeit durchgehend identisch mit der erzählten Zeit ist. Aber es gibt, wie wir im Folgenden sehen werden, durchaus Möglichkeiten, das Verhältnis der erzählten Zeit und der Erzählzeit zu variieren. Summarisches und elliptisches Erzählen sowie Formen der Pause im Erzählen werden wieder anhand von Filmbeispielen aus „Jackie Brown“ analysiert. Da die Szene – wie oben erläutert – die Basis der Dauer der filmischen Erzählung bildet, wird sie nicht noch einmal gesondert aufgegriffen.