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Metalepsen

Metalepsen

Übergänge von der einen zur anderen narrativen Ebene sind im Film möglich, und das sowohl in Form der „narrative[n] Metalepse“ (S. 168) als auch des zweiten Typs, der Pseudo-Diegese (vgl. S. 169).
Pseudo-diegetische Elemente können im Film dann auftauchen, wenn es nicht mehr erkennbar ist, zu welcher Ebene die erzählten Ereignisse gehören. Das geschieht z. B., wenn eine Metadiegese mittels eines flash-backs erzählt wird und dessen Ende nicht eindeutig gekennzeichnet ist. Oder, wenn die Grenzen zwischen diegetischer und extradiegetischer Ebene aufgehoben werden, wie es bei „American Beauty“ der Fall ist.
In der Lerneinheit „Modus“ wurde bereits ausführlich auf die Besonderheit des POV eingegangen, der in unserem Beispielfilm teilweise mittels einer Digitalkamera ausgeführt wird. Wie oben schon erwähnt, ist die Digitalkamera in diesen Momenten Teil der intradiegetischen Ebene. In Form eines Gegenstandes, der zur kinematographischen Komponente ‚Ausstattung‘ gehört, wird sie Teil der erzählten Geschichte. Gleichzeitig übernimmt sie aber – immer über eine zweite extradiegetische Kamera vermittelt – auch die Funktion der Kamera, die als narrative Instanz meist außerhalb der Diegese steht. Die Szenen, in denen dieser ‚digitale POV‘, wie er in der Lerneinheit zum filmischen Modus genannt wurde, zum Einsatz kommt und somit das Eindringen der extradiegetischen Ebene in das „diegetische Universum“ (S. 168) darstellt, haben in der Tat eine „bizarre Wirkung“ (S. 168), wie Genette es ausdrückt.
Es gibt aber noch weitere Beispiele für pseudo-diegetische Metalepsen in „American Beauty“: Der Erzähler erster Stufe mischt sich schon allein dadurch ständig in die Diegese ein, indem er sich selbst als Lester Burnham ‚ausgibt‘. In einigen Szenen greift er dann direkt in das Geschehen innerhalb der Diegese ein, indem er über die VON als extradiegetischer Erzähler das intradiegetische Geschehen kommentiert. So z. B., wenn er am Anfang des Films seine Frau Carolyn und seine Tochter Jane vorstellt und sich dabei direkt an den Zuschauer wendet: „Das ist meine Frau, Carolyn. Sehen Sie, wie der Griff der Baumschere farblich zu ihren Gartencloggs passt? Das ist kein Zufall.“ In diesem Beispiel könnte es allerdings auch die intradiegetische Figur Lester sein, die sich als Element der Diegese an den Zuschauer wendet; der Übergang zwischen der Erzählung erster und zweiter Stufe ist jedenfalls nicht eindeutig markiert. Die Unterscheidung zwischen narrativer Metalepse und pseudo-diegetischer Metalepse sei oft schwer zu treffen, was ein generelles Problem bei der Bestimmung von Metalepsen sei, so Genette (vgl. S. 169). Ohne Zweifel stellt Lesters Rede an den narrativen Adressaten eine Überschreitung der „heilige[n] Grenze“ dar (S. 168), die zwischen den Welten der Fiktion und dem Ort außerhalb der Fiktion unterscheidet und deren Übertreten dieses Beispiel zu einer Metalepse macht.