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Interne Fokalisierung III

 

4. Nachdem Lester im Keller trainiert hat, liegt er im Bett. Er geht zu Janes Zimmer, in dem in dieser Nacht auch Angela schläft und schon beim Öffnen der Tür kommen ihm weißer Rauch und helles Licht entgegen. Diese beiden Elemente sind im filmischen Erzählen weitere klassische Merkmale dafür, dass es sich um einen Traum oder eine irreale Situation handelt, vorausgesetzt, der Zuschauer verfügt über das nötige Wissen, um diese erzählerischen Mittel zu deuten. Lester betritt den Raum und sieht Angela in einer Badewanne liegen. Sie ist in das metaphorische Erkennungsmerkmal gebettet, die roten Rosenblätter. Das alles wird mit der gleichen speziellen Musik unterlegt, die schon die vorherigen Traum-Szenen begleitete. Wieder ist es die interne Mitsicht auf Lester, die mit allen Mitteln des kinematographischen Codes erzählt wird.

5. Die letzte Traum-Szene ist keine von Lesters erotischen Phantasien, sondern zeigt die Sekunden vor und nach seinem Tod. In einer langsamen Fahrt, auf die bereits in der Kamera-Beispielanalyse Nummer 12 eingegangen wurde, werden sowohl Lesters Erinnerung in schwarz-weiß gezeigt als auch die Sekunden, bevor sich der Schuss aus der Pistole löst. Es werden in verschiedenen (zeitlich repetitiven) Variationen die Figuren des Films gezeigt und deren Reaktionen unmittelbar vor und nach dem Schuss. Diese fallen in den Bereich der unfokalisierten Übersicht und sind größtenteils aus der Vogelperspektive gezeigt. Die Kamera nimmt hier, wie in den anderen Beispielen aus der Vogelperspektive, eine Perspektive ein, die mit der des Sekunden darauf toten Lesters schon beinahe identisch ist. Diese scheinbare Mitsicht erfolgt aber letztendlich nur durch die VON, die uns als Zuschauer die Perspektive Lesters nahe bringt und unserer kulturelle Codierung, Lester müsste, nun da er tot ist, ‚von oben‘ erzählen.