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Distanz und Perspektive II

 

Das Kameraverhalten hängt eng mit den Schauspielern bzw. den Figuren im filmischen Code zusammen, denn über die Figuren können bestimmte Kameraperspektiven variiert werden, das geschieht vor allem beim Point-Of-View Shot. Die Kameraperspektive kann also über die Figuren erfolgen, kann aber auch losgelöst von ihnen als eigenständiger Teil der narrativen Instanz fungieren. Der Zusammenhang zwischen Kamera und Figuren in Bezug auf die Analyse der Perspektive einer Erzählung ist eines der meist diskutierten Themen in der Filmnarratologie. Die hier vorgeschlagene Handhabung ist daher nur eine vorläufige Lösung.
Die Figuren innerhalb der filmischen Erzählung sind in Kombination mit der Kamera in der Lage, die Erzählung von Ereignissen zu übermitteln und zwar einfach indem sie handeln, ohne dass die Figur dabei mimetisch erzählt oder indem sie sprechen, also mit Worten erzählen. Im Film überwiegt dabei die „berichtete Rede“ (S. 123), in der der Erzähler ohne die einleitende Inquit-Formel ganz hinter die Figur zurücktritt. Diese „‚mimetischste‘ Form“ (S. 123) der Figurenrede kann aber auch abgelöst werden, beispielsweise durch die VON, die die Ereignisse in der narrativisierten oder transponierten Rede wiedergeben kann und die über eine ähnlich exponierte Stellung wie die Kamera verfügt, nur auf auditiver Ebene. Selbstverständlich können alle Komponenten des kinematographischen Codes an der Übermittlung der Diegesis einer filmischen Erzählung teilnehmen.
In der Beispielanalyse werden vor allem die Perspektiven und Fokalisierungen im diegetischen Erzählen über die Kamera und die VON von Bedeutung sein. Des Weiteren werden zwei Beispiele das Erzählen von Ereignissen über die narrative Instanz des Schauspielers belegen. Einen besonderen Status nehmen die Szenen ein, die aus der Perspektive des Protagonisten Lester Burnham erfolgen, aber nicht nur durch diegetisches Kameraverhalten erzählt werden. Diese ‚Traum‘-Szenen, in denen das Zusammenspiel aller kinematographischen Komponenten für eine interne Fokalisierung sorgt, bekommen ebenfalls einen eigenen Abschnitt. Andere Komponenten des kinematographischen Codes, wie der Schnitt, die Musik oder die Ausstattung eines Films, werden wenn nötig punktuell in die Analyse eingebunden, aber nicht eigens untersucht.
In der Analyse wird nun anhand von Beispielszenen (der Begriff der „Szene“ ist an dieser Stelle als dramaturgische Einheit zu verstehen und ersetzt die Segmentierung der kompletten filmischen Erzählung von „American Beauty“, vgl. Lerneinheit „Zeit der filmischen Erzählung“) zunächst das Kameraverhalten untersucht. Ausgewählt sind diejenigen Szenen, die besonderen Aufschluss darüber geben, wie sich die Kamera als narrative Instanz in ihren modalen Aspekten verhalten kann.