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Zusammenführung

Schema_Bernhard

Mit Bedacht sind vereinzelt Handlungseinheiten im Schema mit Kurztiteln bezeichnet und hervorgehoben. Wie zu erläutern sein wird, korrelieren Sequenzen und Funktionen in ihrer Anordnung miteinander strukturell und inhaltlich.
Sequenz 1 und Sequenz 3 rahmen die übrige Erzählung durch den thematischen Gegensatz von Bau und Verfall des Gebäudes. Der Text informiert darüber, dass der Bau anderthalb Jahre benötigte und das Hotel bereits drei Jahre verrottet, als es von den Wanderern entdeckt wird. Im Gegensatz dazu entspricht dem Bau und dessen Vorbereitungen ein wesentlich größerer Textumfang als dem Leerstand des Hotels, nämlich die sieben Handlungseinheiten der Sequenz 1 zu drei Handlungseinheiten der Sequenz 3. Im Vergleich beider Sequenzen stehen Inhalt und Struktur (bzw. erzählte Zeit und Erzählzeit) also im umgekehrten Verhältnis zueinander: In Sequenz 1 nimmt die Erzählung für die Präsentation eines geringen zeitlichen Umfangs doppelt soviel Raum ein als sie für die Vermittlung eines doppelt so großen Zeitraums in Sequenz 3 benötigt.
Auffallend symmetrisch konstruiert sind Sequenz 1 und 2 nicht nur durch die ähnliche Anzahl der Segmente (sieben bzw. sechs). Die Wanderungen des Industriellen (E1) und der Gruppe, die das Hotel im Tal entdeckt (M16), befinden sich innerhalb der Sequenzen an fast der gleichen Position und bilden in der Chronologie der Geschichte das erste bzw. letzte Ereignis.
Eine zentrale Stellung hingegen kommt dem Entschluss zu, das Hotel nicht zu eröffnen. Das Segment (H8) ist mittig der siebzehn Handlungseinheiten platziert und bildet auch den zeitlichen Angelpunkt der Geschichte (Zeitindex 8 von 16 insgesamt). Der Auffassung, dass der Tod des Sohnes alle folgenden Ereignisse bedingt, läuft die Erzählung strukturell gewissermaßen entgegen: Wichtiger ist von dieser Warte aus der Entschluss des Vaters, das Tal zu sperren – so wie er es auch bebauen ließ; beide Entscheidungen finden sich in Sequenz 1 bzw. 2 als jeweils erstes Segment.


Mit einer bloß inhaltsorientierten Verfahrensweise würden solche Beziehungen von Erzählstruktur und Inhalt nicht sichtbar. Wie den Ausführungen freilich anzumerken ist, bewegt sich die Analyse nahe an der Grenze zur Interpretation. Sie darf sich jedoch darauf berufen, dass ein genaues Betrachten der Organisation eines Textes für seine Auslegung bürgen und sie untermauern kann.





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