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Interne und externe Diachronie / interne Determination und Spezifikation II

 

„Die interne Spezifikation hingegen ist ein Verfahren rein iterativer Diversifizierung, denn sie unterteilt die Wiederkehr so, daß zwei alternierende Varianten entstehen, deren Alternanz selbst notwendigerweise iterativ ist.“ (S. 95)


So kann es sein, dass jemand jeden Tag spazieren geht, aber zwischen zwei Richtungen abwechselt und den einen Tag nach rechts und den anderen nach links geht. Ebenso wird das Wetter nicht immer dasselbe sein.

Als Beispiel dienen die reisenden Eltern der Ich-Erzählerin in Judith Hermanns Text „Aqua Alta“, die in einem bestimmten Zeitraum unterschiedliche Reiseziele ansteuern, aber dabei immer wieder dasselbe tun:

„Sie reisten durch Italien und Griechenland und Spanien. Sie fuhren Anfang Juni los und kehrten Ende August zurück, braungebrannt, zufrieden, die Koffer voller verdorbener Lebensmittel, die meine Mutter ohne ein einziges Wort der jeweiligen Landessprache zu verstehen, auf den Marktplätzen der spanischen, italienischen, griechischen Dörfer zusammengekauft hatte. Sie hatten wenig Geld und reisten mit den Billigtickets der Bahn in überfüllten Zügen, sie schliefen in Jugendherbergen und Stundenhotels und aßen abends am Rand irgendeines Brunnens sitzend [...].“

Judith Hermann: Aqua Alta. In: Dies.: Nichts als Gespenster. Frankfurt am Main 2003, S. 121–151; hier S. 122f.


Zusammenfassend lassen sich vor allem zwei Möglichkeiten unterscheiden, wie iterative Einheiten über singuläre besonders herausgestellt werden können. Höchst wirksam ist zum einen der Pseudo-Iterativ. Zum anderen kann man ein ausdrücklich singuläres Ereignis heranziehen, um a. eine iterative Reihe zu illustrieren und zu bestätigen („So geschah es um halb elf, dass Herr Schulz den geistig abwesenden Peter aufrief.“) oder b. eine Ausnahme von der aufgestellten Regel zu präsentieren („So waren die Geburtstage immer verlaufen. Diesmal jedoch war alles anders.“).