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Extension

Extension

Iteratives Erzählen präsentiert eine Reihe von Ereignissen, die in einer bestimmten Beziehung zueinander stehen. Stellt man die Reihe von Tätigkeiten an einem Tag (also 24 Stunden) zusammen, dann kann das schnell langweilig werden: Um sieben Uhr wurde Peter von dem Schrei seiner Mutter geweckt, um acht ging er in die Schule, um eins kam er nach Hause usw. Natürlich ist genau das der Vorteil des iterativen Erzählens – es vermittelt Gleichförmigkeit. Die iterative Einheit „sein Wecker klingelte jeden Tag um sieben Uhr“ ist dabei eine punktuelle Iteration, die sich „narrativ nicht weiterentwickeln läßt“. (S. 92) Man kann sich zwar weitere Handlungen dazu denken, aber die Tatsache des Weckerklingelns selbst ist nur so präsentierbar. Man kann aus dem Klingeln eines Weckers keine längere Erzählung konstruieren, ohne weitere Handlungen hinzuzufügen. Im Gegensatz dazu könnte man die oben genannten Beispiele (wie „um acht ging Peter in die Schule“) zum Ausgangspunkt einer längeren, umfangreichen Erzählung machen, indem man die Handlungen ausbaut.

Die Extension einer iterativen Reihe bestimmt deren diachronischen Umfang: „Fünf Stunden lang saß Peter in der Schule und dachte immer wieder an den Ärger der Mutter.“ Die Extension kann aber auch deutlich ungenauer ausfallen: „Während der Schule dachte Peter immer wieder daran, wie er den Schaden wiedergutmachen könnte.“


„Sie weiß nicht, wie die Stadt aussieht, in der Magnus zwölf Jahre lang gelebt hat, sie kann sich nicht vorstellen, wie er ausgesehen hat in diesen Jahren, wie er war, was er gemacht hat, wie er Deutsch gesprochen und mit deutschen Mädchen seine Tage verbracht hat.“

Judith Hermann: Kaltblau. In: Dies.: Nichts als Gespenster. Frankfurt am Main 2003, S. 61–120; hier S. 64f.