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Summary

Summary

Summarys sind eine typische Form traditionellen Erzählens, vor allem des 19. Jahrhunderts. Sie stellen in vielen Texten dieser Zeit eine Art Bindeglied zwischen Szenen dar, so dass sich, wie Genette beschreibt (S. 69), als Grundrhythmus der Erzählung ein beständiger Wechsel zwischen Summary und Szene ergibt:

„So fühlte er sich nicht allein so reich, sondern reicher als bisher, indem seine Güter sich durch Teilnehmung und Anwendung zu vermehren schienen. Auf diese Weise lebte das Paar fast ein Jahr lang in der größten Zufriedenheit, und er schien seine Liebe zu einem tätigen und herumstreifenden Leben gegen das Gefühl häuslicher Glückseligkeit gänzlich vertauscht zu haben. Aber eine alte Gewohnheit legt sich so leicht nicht ab, und eine Richtung, die wir früh genommen, kann wohl einige Zeit abgelenkt, aber nie ganz unterbrochen werden.“

Johann Wolfgang von Goethe: Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten. In: Ders.: Werke. Hamburger Ausgabe in 14 Bänden. Band 6: Romane und Novellen I. Textkritisch durchgesehen von Erich Trunz. Kommentiert von Erich Trunz und Benno von Wiese. München 1981, S. 125–241; hier S. 170.


Die „Heirat“ als Besonderheit im Leben des Prokurators wird vor dieser Textstelle ausführlich dargestellt. Anschließend folgt dann dieses Summary, das ein Jahr überbrückt, bevor der Kaufmann sich entscheidet, seine Heimat ein weiteres Mal zu verlassen, was der letzte Satz bereits andeutet. Seine Entscheidung teilt er dann seiner jungen Frau in einem Dialog mit.

Häufig sind Summarys retrospektiv und kompletive Analepsen, wie sie in der vorangehenden Lerneinheit besprochen wurden. Der Erzähler nutzt einige zusammenfassende Sätze, um vorangehende Geschehnisse zu skizzieren. Diese raffenden Einschübe werden meist durch Wendungen wie „inzwischen“, „in der Zwischenzeit“, „während“ gekennzeichnet.