Springe direkt zu Inhalt

Ideologische Funktion

Ideologische Funktion

Auch bei der ideologischen Funktion rückt sich der Erzähler selbst in den Mittelpunkt, allerdings jetzt zu einem anderen Zweck. Es geht ihm nicht um die Wahrung einer Position, sondern um die Belehrung des Lesers. Der Erzähler ist in diesem Fall die autorisierte Instanz, die sich aus didaktischen Gründen einmischt und die Handlung kommentiert. Der Erzähler der Novelle „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ (Friedrich Schiller) warnt darüber hinaus eindringlich vor dem geringen Nutzen von Abscheulichkeiten in der Literatur. Zunächst kommt der Verbrecher selbst zu Wort; dann greift der extradiegetische Erzähler regulierend ein.

„‚[…] Alle kamen überein, mein Verlangen zu bewilligen, ich war erklärter Eigentümer einer H*** und das Haupt einer Diebesbande.‘
Den folgenden Teil der Geschichte übergehe ich ganz; das bloß Abscheuliche hat nichts Unterrichtendes für den Leser. Ein Unglücklicher, der bis zu dieser Tiefe herunter sank, mußte sich endlich alles erlauben, was die Menschheit empört – aber einen zweiten Mord beging er nicht mehr, wie er selbst auf der Folter bezeugte.
Der Ruf dieses Menschen verbreitete sich in kurzem durch die ganze Provinz.“

Friedrich Schiller: Der Verbrecher aus verlorener Ehre. In: Hans Heinrich Borcherdt (Hg.): Schillers Werke. Nationalausgabe. Band 16: Erzählungen. Weimar 1954, S. 7–29; hier S. 23.


Zwischenklausur >Test 3