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Intradiegetisch-heterodiegetischer Erzähler

Intradiegetisch-heterodiegetischer Erzähler

Ein Erzähler, der auf intradiegetischer Ebene eine Geschichte erzählt, in der er nicht vorkommt, ist ein intradiegetisch-heterodiegetischer Erzähler.

E.T.A. Hoffmanns Novellensammlung „Die Serapions-Brüder“ erzählt vom Treffen mehrerer Freunde, die sich über ihre Erfahrungen mit Klubs und Gesellschaften austauschen. In der nachfolgenden Textpassage berichtet Ottmar von einem Klub, den er offenbar nur vom Hörensagen kennt. Er selbst taucht in Verbindung mit dem Klub nicht als Handelnder auf; seine Erzählung ist demnach heterodiegetischer Natur und, da Ottmar lediglich eine der beteiligten Figuren auf diegetischer Ebene ist, auf der zweiten Stufe anzusiedeln.

„‚Das glaub ich nun und nimmermehr‘, fiel Ottmar ein, ‚überzeugt bin ich vielmehr, Lothar, daß nur der Nachhall irgendeines feindlichen Ereignisses gerade heute in deiner Seele stärker nachtönt als sonst. - Aber ein neues Leben wird bald wie Frühlingshauch dein Innres durchwehen, in ihm verklingt der Mißton, und du bist wieder ganz der alte gemütliche Lothar der du sonst warst vor zwölf Jahren! - Euer Klub in P*** hat mich übrigens an einen andern erinnert, dessen Stifter von dem herrlichsten Humor beseelt gewesen sein muß, und der in der Tat nicht wenig an den prächtigen Narrenorden erinnerte. Denkt euch eine Gesellschaft, die durchaus organisiert ist wie ein Staat! - Ein König, Minister, Staatsräte etc. Die einzige Tendenz, der ganze Zweck dieser Gesellschaft war - gut zu essen und noch besser zu trinken. Deshalb geschahen die Versammlungen in dem Hotel der Stadt, wo die beste Küche und der beste Keller anzutreffen. Hier wurde nun ernst und feierlich verhandelt über das Wohl und Wehe des Staats, das in nichts anderm bestand, als eben in guten Schüsseln und auserlesenem Wein. […]‘“

E.T.A. Hoffmann: Die Serapions-Brüder. Stuttgart 1976, S. 7–30; hier S. 13.