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Heterodiegetische Erzählung

Heterodiegetische Erzählung

Bei einer heterodiegetischen Erzählung ist der Erzähler nicht Teil der Geschichte, die er erzählt. Er ist durchgehend abwesend. Beispiele gibt es dafür zahlreiche. Eine der ältesten Gattungen, bei denen ein heterodiegetischer Erzähler gewissermaßen zum Grundmerkmal gehört, ist das Märchen, das bereits mit seiner Einleitungsformel „Es war einmal“ auf eine Distanz des Erzählers zum Erzählten hinweist:

Es war einmal ein reicher Mann, der hatte eine einzige schöne Tochter, welche er über alle Maßen liebte. Seine Frau war gestorben. Die Tochter war außerordentlich schön und was sie nur immer wünschte, das gab ihr der Vater, weil er kein größeres Glück kannte, als sein Mägdlein zu erfreuen, vielleicht auch, weil sie ein Wünschelfräulein war, dem jeder Wunsch ausging.“

Ludwig Bechstein: Aschenpüster mit der Wünschelgerte. In: Ders.: Sämtliche Märchen. Düsseldorf/Zürich 1999, S. 477–483; hier S. 477.