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Person

Person

Genette verwendet, wie er schreibt, Formulierungen wie „Erzählung in der x-ten Person“ nur „mit den Schutzhandschuhen der Anführungszeichen“ (S. 174) und hat Recht damit. Denn diese Umschreibung behauptet, dass es Erzählungen einer Person gibt, ohne dass diese Person einen Erzähler darstellt. Dabei ist die ‚Person‘ des Erzählers immer da.
Genau genommen geht es auch nicht um die Wahl zwischen der grammatischen Form ‚Ich‘ und der Form ‚Er‘, sondern um die Entscheidung für eine von zwei „narrativen Einstellungen“: „Er [= der Romancier] kann die Geschichte von einer ihrer ‚Personen‘ [...] erzählen lassen oder von einem Erzähler, der selbst in dieser Geschichte nicht vorkommt.“ (S. 175)
Finden sich in einer Erzählung Verben und Pronomen in der ersten Person, dann kann das darauf hinweisen, dass der Erzähler mit einer der Figuren der Geschichte identisch ist, es kann aber ebenso gut bedeuten, dass der Erzähler sich selbst als solchen ausgibt. Wie Genette schreibt, zeigt die Tatsache, dass mit „Erzählung in der ersten Person“ immer nur der erste Fall gemeint ist, obwohl der zweite ebenfalls zutreffen kann, dass die Umschreibung unbrauchbar ist.
Genette schlägt daher eine neue Differenzierung vor – die zwischen einer homodiegetischen und einer heterodiegetischen Erzählung.