Springe direkt zu Inhalt

externe Fokalisierung

Externe Fokalisierung

Eine externe Fokalisierung erkennt man daran, dass die Handlungen einer Figur geschildert werden, ohne dass irgendetwas über ihre Gedanken, Motivationen oder Gefühle ausgesagt wird – noch nicht einmal spekulativ. Es wird also überhaupt nichts erzählt, was sich nicht mit einer Kamera und einem Mikrofon ebenfalls einfangen ließe. Externe Fokalisierung erweckt den Eindruck von Objektivität.

Es leuchtet ein, dass sich eine solche Perspektive selten über eine ganze Erzählung erstreckt. Sequenzen mit externer Fokalisierung können jedoch dazu dienen, Spannung zu erzeugen, „und tatsächlich wird in recht vielen Abenteuerromanen, von Walter Scott über Alexandre Dumas bis Jules Verne, auf den ersten Seiten mit externer Fokalisierung gearbeitet“ (S. 135).

Alfred Döblin hat in mehreren Texten externe Fokalisierung verwendet, um psychisch anormales Verhalten adäquat zu schildern, ohne bereits zu interpretieren. So auch zu Beginn der Erzählung „Astralia“:


„Herr Götting, Adolf Götting, Privatgelehrter, wohnhaft Albrechtstraße 15, drei Treppen rechts bei Frau Schülke. Er sitzt in seinem Zimmer auf einem Sofa und läßt sich von der Lampe wärmen. Ein gedrücktes Männlein mit verschrumpeltem Gesicht, gelblich entzündeten Augen und rascher weicher Stimme. Seine Finger spielen mit den Fransen der braunen Wolldecke, welche über seinen dünnen Beinen liegt.“

Alfred Döblin: Astralia. In: Ders.: Die Ermordung einer Butterblume und andere Erzählungen. München 2004, S. 23–29; hier S. 23.


Abgesehen von dem Teilsatz „und läßt sich von der Lampe wärmen“, den man auch dem Typ der Nullfokalisierung zuordnen könnte (das hängt davon ab, ob man annimmt, dass damit eine entsprechende sichtbare Geste gemeint ist oder nicht), werden lediglich rein äußerliche Informationen vermittelt. Man kann eine externe Fokalisierung auch mit den Regieanweisungen in Theaterstücken vergleichen.