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Perspektive

Perspektive

Die zweite Regulierungsart der narrativen Information neben der Distanz ist die Perspektive. So wie es nämlich wichtig ist, wie nah ein Leser der Erzählung ist, so ist es ebenso entscheidend, welcher Blickwinkel auf das Geschehen gewählt wurde. Zwar hängt der Blickwinkel in der Theorie Genettes deutlich mit der Erzählinstanz zusammen, der Fokus ist jedoch nicht mit dem Erzähler identisch:

„Dennoch leiden die meisten theoretischen Arbeiten zu diesem Thema […] meines Erachtens erheblich darunter, daß sie das, was ich hier Modus und Stimme nenne, miteinander vermengen,
d. h. die Frage Welche Figur liefert den Blickwinkel, der für die narrative Perspektive maßgebend ist? wird mit der ganz anderen Wer ist der Erzähler? vermengt – oder, kurz gesagt, die Frage Wer sieht? mit der Frage Wer spricht?“ (S. 132)

Die beiden voneinander zu trennenden Fragen lauten also: Wer sieht? und Wer spricht? Hinter der zweiten Frage lauert eine Stimme und damit der Erzähler, um den es in der folgenden Lerneinheit gehen wird. Die erste Frage bezieht sich auf die Figur, durch deren Augen ein Geschehen wahrgenommen wird. Genettes Beispiel an dieser Stelle (S. 133) ist unmittelbar einleuchtend: Watson, der erzählt, was Sherlock Holmes erlebt, befindet sich auf einer anderen Ebene (Modus) als Agatha Christie, die erzählt, was Hercule Poirot tut (Stimme).


Bei der Perspektive geht es also um die Frage, aus welchem Winkel der Leser Einblick in den Geschehensablauf bekommt – unabhängig davon, woher ihm die nötigen narrativen Informationen mitgeteilt werden.