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Zeichentypen

Wir verstehen Zeichen als die Kombination von Signifikat und Signifikant. Bei einer Klassifizierung der Zeichen muss daher das Verhältnis seiner beiden Bestandteile und damit der Kode, der ihre Verbindung regelt, eine wichtige Rolle spielen. Da Zeichen im allgemeinen Verständnis für etwas stehen, wird häufig nicht das Verhältnis von Signifikat und Signifikant, sondern nur die Beziehung des Zeichens zu einem Referenten betrachtet. Das Signifikat darf aber nicht mit dem Referenten gleichgesetzt werden.
Die folgende Klassifizierung der Zeichen in die drei Typen Index, Ikon und Symbol gilt heute in der Semiotik als allgemein akzeptiert und beruht auf der Zeichentheorie von Charles Sanders Peirce. Zum besseren Verständnis werden jeweils einige Beispiele genannt:

  1. Bei indexikalischen Zeichen steht der Signifikant in einer direkten Verbindung bzw. einem Folge-Verhältnis zu seinem Signifikat. Es ermöglicht dem Interpreten, Rückschlüsse auf etwas anderes zu ziehen: Das Wetterfähnchen zeigt uns die Windrichtung. Die tiefe Stimme eines unbekannten Anrufers verrät uns, dass es sich um einen Mann handelt. Bekanntestes Beispiel ist der Rauch, der uns wissen lässt, dass es irgendwo ein Feuer geben muss (Nöth, S.185-192).
  2. Ikonische Zeichen (von griech. Ikon: Bild) basieren auf einem Ähnlichkeitsverhältnis von Signifikat und Signifikant. So können Portraitfotos für eine uns bekannte Person stehen. Piktogramme ermöglichen uns auch im Ausland die Orientierung auf einem Flughafen. Auch lautmalerische Wörter sind ikonische Zeichen (Nöth, S.193-198).
  3. Symbolische Zeichen beruhen lediglich auf Gesetz oder Konvention; symbolische Zeichen sind arbiträr und konventionell. So sind viele Verkehrszeichen oder militärische Rangabzeichen symbolischer Natur. Das wichtigste System symbolischer Zeichen bildet jedoch die menschliche Sprache: Bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Lautmalerei) sind Wörter symbolische Zeichen (Nöth, S.178-184).

Tatsächlich bildet die eben dargestellte Klassifikation der Zeichen nur eine aber auch die wichtigste Ebene bei der Festlegung der Merkmale von Zeichen bei Charles Sanders Peirce: Die „Objektrelation“ eines Zeichens. Zwei weitere Ebenen bilden die des Repräsentamens und die des Interpretantenbezugs.
Der Begriff Repräsentamen entspricht im Wesentlichem dem, was wir heute Signifikant nennen. Peirce unterscheidet hier zwischen Qualizeichen (das Signifikat bildet die Qualität des Zeichens, z.B. eine Farbe oder Form), Sinzeichen (tatsächlich existierende Dinge oder Ereignisse) und Legizeichen (konventionelle Zeichen) (Nöth, S.65f.).
Der Interpretant ist für Peirce das, was die Deutung eines Signifikanten erst ermöglicht, und dabei selber ein Signifikant ist, der zum Verständnis wiederum einen neuen Interpretanten erfordert: So kommt es zu einer theoretisch unendlichen Kette von Interpretanten, ein von Peirce als unbegrenzte Semiose bezeichnetes Phänomen (Volli, S.29f.). Der Interpretantenbezug grenzt das Ausmaß von dem ein, was einen Interpretanten bilden kann, und bildet hier die Unterklassen Rhema, Dicent und Argument (Nöth, S.65f.).

Literatur:
NÖTH, Winfried: Handbuch der Semiotik. 2. Aufl. Stuttgart 2000.
VOLLI, Ugo: Semiotik. Eine Einführung in ihre Grundbegriffe. Tübingen und Basel 2002.

(T.W.)