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Signifikant / Signifikat

Die Begriffe stehen in der Semiotik für die zwei Grundelemente eines Zeichens: der Relation eines Ausdrucks- (Signifikant) und eines Inhaltselements (Signifikat), die durch Kodifizierung einander zugeordnet werden.
Für den Bereich der Linguistik beschreibt Ferdinand de Saussure den Signifikant als ein Lautbild, das durch Konventionalisierung im Gedächtnis gespeichert und abgerufen wird. Das auch so genannte Bezeichnende – Vermittler des Bezeichneten – ist zunächst ein Signal von materieller Substanz (ein Wort, ein Bild, ein Gegenstand). Erst ein Kode markiert es als Teil einer Relation und setzt den Semioseprozess in Gang, binnen dessen auf das Signifikat geschlossen wird. „In der Linguistik hat die Natur des Signifikats zu Diskussionen Anlaß gegeben, in denen es in erster Linie um seinen »Realität«sgrad ging“ (Semiologie, S. 36). Roland Barthes meint das allgemein Missliche des Bezeichneten: Es ist nicht wesenhaft, sondern besitzt „psychischen Darstellungscharakter“ (ebd., S. 37). Das imaginäre Bild eines Dings, von einigen Autoren treffend Konzept (de Saussure) oder kulturelle Einheit (Umberto Eco) genannt, kann trotz gleichem Signifikant individuell verschieden sein, weil es sich auf Erfahrung gründet. Man mag sich unter der Bezeichnung „Fernseher“ ein silbergraues Röhrengerät oder einen Rückprojektionsfernseher vorstellen. Das Konzept bleibt dasselbe: Gerät mit Bildfläche, das Signale empfängt und optisch darstellt. Die „operationale Verbindung“ von Bezeichnung und Bezeichnetem ist also keinesfalls simpel, stellt de Saussure schon fest. Man dürfe sie sich nicht als Nomenklatur vorstellen, in der einem Signifikat einem Signifikanten entspricht. (vgl. Grundfragen, S. 77)

Literatur:
ECO, Umberto: Zeichen. Einführung in einen Begriff und seine Geschichte. Frankfurt am Main 1977 (=es 895).
de SAUSSURE, Ferdinand: Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. Berlin 1967.
BARTHES, Roland: Elemente der Semiologie. 2. Auflage. Frankfurt am Main 1981.

(K.Ko.)