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Polymodalität

Polymodaliät beschreibt innerhalb der Kategorie Modus die Konkurrenz mehrerer modaler Codes in einem Text oder Textabschnitt. Als modaler Code lässt sich jede Art der spezifischen Repräsentation und Regulierung der narrativen Information auffassen, die auf der Grundlage von Distanz (Erzählung von Worten) oder Perspektive (Erzählung von Ereignissen) getroffen werden kann. Neben den Arten der Figurenrede stellen vor allem die Fokalisierungstypen (interne Fokalisierung, externe Fokalisierung, Nullfokalisierung) modale Codes dar. Während sich die modalen Codes der Figurenrede durch ihren spezifischen Grad an Mittel- bzw. Unmittelbarkeit konstituieren, basieren die Fokalisierungscodes auf der Art der Einschränkung des Blickwinkels. Beide Differenzierungskriterien gehen auf den Grad der An- bzw. Abwesenheit der Erzählinstanz in der Erzählung zurück.
Da nach den Konventionen der menschlichen Wahrnehmung etwas nicht gleichzeitig ab- und anwesend sein kann (in diesem Fall die Erzählinstanz), gilt die (implizite) Annahme, dass in einem Erzählsegment jeweils nur ein modaler Code dominant sein kann. Im Gegensatz zu isolierten Verstößen gegen die angenommene Kohärenz des Modus (Paralepse und Paralipse) treten in den nicht seltenen Fällen einer Koexistenz mehrerer modaler Codes diese miteinander in Konkurrenz, da sie sich im Grad der An- bzw. Abwesenheit der Erzählinstanz widersprechen.
Durch das Fehlen eines dominanten Codes wird nicht nur „die gesamte Logik der narrativen Repräsentation erschüttert“ , sondern auch die konventionalisierte Wahrnehmung infrage gestellt. Genette verdeutlicht dies, indem er auf die Analogie von Polymodalität und Kubismus hinweist. Hier wie dort eröffnen sich neue Möglichkeiten der Wahrnehmung, indem unterschiedliche Perspektiven „übereinander gestapelt“ werden.

(N.N.)