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Perspektive

Perspektive (angelsächsisches Pendant: point of view) ist in der literaturwissenschaftlichen Narratologie eine Kategorie für die Analyse von Erzähltexten, mit der das Verhältnis des Erzählers zum Erzählten beschrieben wird, dessen Erfassen und die Wiedergabe des Geschehens. Sie ist Ausdruck der theoretischen Annahme (z. Bsp. bei Franz K. Stanzel), Erzähler selektierten unterschiedlich die Informationen, die sie vermitteln, und bewirkten damit den Anschein eines eingeschränkten „Blickwinkels“ fiktiver Personen oder eines göttlich-allwissenden Standpunkts. So ist der Aspekt Perspektive in zahlreichen Abhandlungen nicht nur das Maß etwa für eine räumliche und zeitliche Distanzierung, sondern auch für die Subjektivität bzw. Objektivität der Narration.
Hingegen kritisiert der französische Literaturwissenschaftler Gérard Genette Fehlschlüsse der Narratologie, dass die Perspektive notwendig an eine Erzählinstanz gebunden und allein für sie konstitutiv ist: „Es ist sicher legitim, eine Typologie von ,Erzählsituationen’ erstellen zu wollen, […] nicht legitim ist es jedoch, eine solche Klassifikation allein mit der Kategorie des point of view durchzuführen“ („Die Erzählung“, S. 134). Genette vollzieht auf Grund dieser Prämisse eine strikte methodische Trennung der analytischen Fragen „Wer sieht?“ und „Wer spricht?“ in seinen Kategorien Modus bzw. Stimme. In Abgrenzung zu bisherigen Theorien bezeichnet er Perspektive neu als Fokalisierung, die er in drei Typen unterteilt (interne Fokalisierung, externe Fokalisierung, Nullfokalisierung).

Literatur: Gérard Genette: Die Erzählung. 2. Auflage München 1998.
Wolf Schmid: Erzählperspektive. Onlinedokument auf www.narrport.uni-hamburg.de , Login: Dezember 2004.

K.Ko.