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Paralepse

Die Paralepse ist eine Analysekategorie der Erzähltheorie, die der Theoretiker Gérard Genette für die Beschreibung der Informationsvergabe in Erzähltexten anführt. Die Paralepse bezeichnet im Gegensatz zur Paralipse einen Alterationstyp der Fokalisierung bei dem mehr Informationen gegeben werden, „als der Fokalisierungscode, der das Ganze beherrscht, an sich gestattet.“ (S. 139). Die Paralepse kann entstehen, wenn eine ansonsten in externer Fokalisierung gehaltene Erzählung die interne Fokalisierung oder gar schrittweise in sie abgleitet. Zum Beispiel kann eine der Außenperspektive verpflichtete Sicht in Kontrast zu Sätzen wie „der junge Mann begriff seinen Ruin nicht [...]“ oder „er affektierte das Benehmen eines Engländers“ (zitiert nach Genette S. 140) gebracht werden. Paralepsen können aber auch innerhalb einer internen Fokalisierung auftauchen, wenn nämlich Gedanken und Gefühle einer nicht-fokalen Figur eingestreut oder Informationen zu Ereignissen gegeben werden, welche die fokalisierte Figur nicht beobachtet haben kann.

(S.S.)