Springe direkt zu Inhalt

Metalepse

Jede Erzählung schafft ein räumlich-zeitliches Universum, die Diegese, in dem sich die Geschichte abspielt. Kommt innerhalb einer Erzählung ein zweiter Erzähler mit einer separaten Geschichte zu Wort, existieren bereits zwei Diegesen. Verwirrungen treten auf, wenn die Grenzen zwischen den Diegesen durchlässig werden. Wird folglich die „Grenze zwischen zwei Welten: zwischen der, in der man erzählt, und der, von der erzählt wird“ (Genette, S.168f.) überschritten, spricht Genette von Metalepsen. Durch das Spiel mit den räumlichen und zeitlichen Grenzen der unterschiedlichen diegetischen Ebenen, erreicht die Metalepse die Brechung des Logischen. Die Romanfiguren changieren zwischen zwei Welten: So wird mit dem Eindringen diegetischer Figuren ins metadiegetische Universum (bzw. extradiegetischer ins diegetische) oder umgekehrt, die Illusion einer sich als real produzierenden Romanwelt kenntlich. Die größte Verwirrung der Metalepse steckt in dem hypothetischen Schluss: das Extradiegetische sei vielleicht immer schon diegetisch.

Literatur:
Genette, Gérard: Die Erzählung. 2. Auflage München 1998.

(S.W.)