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Kontext

Der Begriff „Kontext“ stammt vom lateinischen contextus („Verbindung“, „Zusammenhang“). In verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen wird der Begriff K. unterschiedlich verwendet:
In der Anthropologie ist der K. der Rahmen, in den sich das fokussierte Ereignis [focal event] einfügt. Jedes Ereignis und jede Äußerung können verschiedene Dinge meinen, wenn sie in unterschiedliche Aktivitäten eingebettet werden. Von Bedeutung ist nicht nur der sprachliche, sondern auch der kulturell-gesellschaftliche Zusammenhang, innerhalb dessen der Mensch agiert.
In der Semiotik bezeichnet der K. die jeweilige Situation, in die das Zeichen eingebettet und in der es aktualisiert wird. Man versteht Zeichen vor einem Hintergrund von Erwartungen, die aufgrund von Erfahrungen (= konventionelles Wissen) mit dieser Situation verbunden werden. Interpretation findet im Rahmen einer Gesamtsituation statt; bei Mehrdeutigkeit sprachlicher Zeichen entscheidet der K. über deren Bedeutung. Mit Max Black könnte man beispielsweise eine Schlacht mit dem Vokabular des Schachspiels beschreiben, da das Schachspiel mit der Beschreibung einer Schlacht gewisse strukturelle und semantische Ähnlichkeiten aufweist.
In der Kommunikationstheorie wird unterschieden zwischen sprachlichem K. (= Kotext – gesprochene, geschriebene Sprache, Textzusammenhang) und außersprachlichem K. (soziale, psychische und situative Faktoren), in dem eine Äußerung steht. Sprachlicher Kotext und außersprachlicher K. stehen in einem kommunikativen Handlungszusammenhang (= Äußerungskontext). Wird Sprache nicht nur als System, sondern auch pragmatisch betrachtet, muss sie im K. von Sprechsituation (Ort, Zeit, institutionellen Rahmenbedingungen), Intention des Sprechakts, dem Rollenverständnis der Kommunikationspartner (Einschätzung der Eigen- und Fremdrolle) sowie anderer außersprachlicher Merkmale und Signale (Kleidung, Alter, Geschlecht, Gestik, Mimik etc.) gesehen und beurteilt werden.
In der Literaturwissenschaft steht der K. mit dem Text in Verbindung. Jedes Element eines Textes und der Text selbst sind mit den sie umgebenden Elementen verwoben und definieren sich über diese. Der K. trägt zum Verständnis eines Textes bei - in seinem Sinn liegt der Bezug außerhalb des K.s, in seiner Bedeutung jedoch nimmt das Zeichen Bezug auf den K.

Literatur:
Barthes, Roland: Elemente der Semiologie. Frankfurt am Main1983.
Duranti, Alessandro und Charles Goodwin (Hg.): Rethinking Kontext. Language as an interactive phenomenon. Cambridge 1992.
Eco, Umberto: Zeichen. Einführung in einen Begriff und seine Geschichte. Frankfurt/M. 1977.
Homberger, Dietrich: Sachwörterbuch zur Sprachwissenschaft. Stuttgart 2003 (=RUB 18241).

(R.R.)