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Ideologische Funktion

Die ideologische Funktion ist eine von fünf Erzählfunktionen, zwischen denen der Narratologe Gérard Genette in seiner Theorie der Erzählung unterscheidet. Dabei trifft er seine Unterscheidungen in Hinsicht auf unterschiedliche, für diese Funktionen bedeutsame Gesichtspunkte der Erzählung. Enthält diese längere oder kürzere Passagen, welche die Handlung der Erzählung belehrend theoretisieren und unter die Perspektive einer autorisierten Interpretation stellen, haben diese Passagen, Genette zu Folge, eine ideologische Funktion. Das Moment der Belehrung ist ein Grundzug dieser Funktion, welcher jedoch nicht immer offen zu Tage treten muss. Die Erklärung oder Rechtfertigung der Handlung einer Erzählung, mit dem Ziel, ihr einen Anschein von Eindeutigkeit zu geben, kann sehr subtil erfolgen. Wie alle anderen Erzählfunktionen, so ist auch die ideologische Funktion keine reine und starre Kategorie und genau wie diese in unterschiedlichem Maße Teil jeder Erzählung. Was sie jedoch von allen anderen unterscheidet, ist die Tatsache, dass sie nicht zwangsläufig an den Erzähler gebunden ist und jeder geeignete Charakter innerhalb der Erzählung ihr Inhaber sein kann.

Literatur
Genette, Gérard: Die Erzählung. 2. Auflage München 1998.

(A.V.)