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Hypertextualität

Hypertextualität ist ein Typ der Transtextualität und gehört zur Taxonomie intertextueller Beziehungen, die Gérard Genette in „Palimpseste. Die Literatur auf zweiter Stufe“ (1982) entwirft. Hypertextualität bezeichnet die Eigenschaft eines Textes (Hypertext), auf einen zeitlich vorhergehenden Text (Hypotext) zu verweisen. Der Hypertext be- und verarbeitet den Hypotext entweder in Form einerr Transformation oder in Form einer Nachahmung.

Bei der Transformation erfolgt eine einfache bzw. direkte Bezugnahme auf den Hypotext, indem z. B. charakteristische Handlungs- oder Figurenschemata im Hypertext verwendet werden.

Nachahmung ist eine komplexe bzw. indirekte Be- und Verarbeitung des Hypotextes. Der Hypertext enthält bestimmte Eigenschaften des Hypotextes. Diese Eigenschaften zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf einer modellhaften Abstraktion des Hypotextes basieren, z. B. architextuellen Strukturen.

Genette erläutert die Typen von Hypertextualität über den Vergleich der beiden „Homer“-Adaptionen „Ulysses“ von James Joyce und „Aeneis“ von Vergil. „Joyce entnimmt ihr ein bestimmtes Handlungs- und Beziehungsschema zwischen den Personen, das er in einem völlig anderen Stil behandelt, Vergil entnimmt ihr einen bestimmten Stil, den er auf eine andere Handlung anwendet.“ (S. 16)

 

Im Rahmen der Kommunikationskultur des Internet wird der Terminus Hypertextualität gelegentlich auch für die multi-lineare Verweisstruktur der Dokumente (Hypertexte) verwendet, die bei Webseiten über den Einsatz von Links deutlich wird. Dies hat zunächst keinen direkten Bezug zur literaturwissenschaftlichen Intertextualitätstheorie. Die semantische Gemeinsamkeit liegt in der Funktion des Hypertextes, einen Verweis auf andere Texte zu enthalten.

 

Literatur:

Gèrard Genette: Palimpseste. Die Literatur auf zweiter Stufe. 2. Aufl. Frankfurt/Main 1996 [1982].

 

(K.K.)