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Heterodiegetische interne Analepse

Die ‚heterodiegetische interne Analepse’ beschreibt eine spezielle Form von Anachronie, also der zeitlichen Dissonanz zwischen den beiden Ebenen Geschichte und Erzählung. Hierbei stellt eine Analepse zunächst einmal die spätere Beschreibung eines Ereignisses in einer Erzählung dar, welches innerhalb der chronologischen Reihenfolge der Geschichte zu einem früheren Zeitpunkt erfolgt sein muss im Vergleich zu dem Zeitpunkt, an dem der analeptische Einschub in der Erzählung verortet ist.
Es handelt sich also um einen Rückblick zum Beispiel einer Figur, die erläuternd auf ein Erlebnis in ihrer Vergangenheit zurückgreift.
Bei der Betrachtung solcher Analepsen spielt unter anderem die sogenannte Reichweite eine wichtige Rolle. Das Ereignis, welches innerhalb einer Analepse rückblickend beschrieben wird, kann demnach mehr oder weniger weit von dem Zeitpunkt entfernt liegen, den die Geschichte in der Erzählung bereits erreicht hat.
Hierbei stellt die Basiserzählung (nach Genette erste Erzählung) (S. 32) den Bezugrahmen dar. Liegt die Analepse, also das retrospektive Ereignis, außerhalb der Basiserzählung und damit weiter entfernt von dem Zeitpunkt in der Geschichte, den die Erzählung erreicht hat, so wird sie nach Genette als externe Analepse definiert. Liegt das analeptisch beschriebene Ereignis jedoch innerhalb der Basiserzählung, handelt es sich um eine interneAnalepse.
Diese sogenannten internen Analepsen können schnell zu einer inhaltlichen Überschneidung führen. Dieses Problem kann jedoch bei der hier zu betrachtenden heterogenen internen Analepse nicht vorliegen, da sie so definiert ist, dass sie zwar einen Rückblick innerhalb der ersten Erzählung darstellt, ihr Inhalt allerdings nicht mit dem der Basiserzählung kollidiert und somit auch keine inhaltliche Überschneidung stattfindet.
Genette erklärt diese spezielle Art der Anachronie als Analepsen, „(...), die einen Strang der Geschichte bzw. einen diegetischen Inhalt betreffen, der sich von dem (oder denen) der Basiserzählung unterscheidet: also etwa, (...), eine neu eingeführte Person, deren ‚Vorgeschichte’ der Erzähler aufhellen möchte, (...)“. (S. 33) Somit ist eine heterodiegetische interne Analepse als erklärender oder ergänzender Rückblick zu verstehen, der zwar innerhalb der Basiserzählung liegt, ihr aber eindeutig subordiniert ist.

Literatur:
GENETTE, Gérard: Die Erzählung. 2. Auflage München 1998.

(E.A)