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Erzählerfunktionen

Nach dem Narratologen Gérard Genette gehören die Funktionen des Erzählers im Diskurs der Erzählung zum Bereich der Stimme und lassen sich in fünf Kategorien aufgliedern, die niemals „rein und frei von jeder Querverbindung zu den anderen“ (S. 184) auftreten.
Die erste und wichtigste, die narrative Funktion bezieht sich auf die Geschichte und ist daher unverzichtbar. Steuert der Erzähler die innere Organisation des narrativen Textes im metanarrativen Diskurs und verdeutlicht er dessen Gliederung, so befähigt ihn dazu die sogenannte Regiefunktion. Die Kommunikationsfunktion des Erzählers ist das Bemühen desselben um einen Kontakt zum Adressaten und gehört zur Erzählsituation. Im Gegenteil zu dieser Konzentration auf das Publikum richtet sich die testimoniale oder Beglaubigungsfunktion auf das Verhältnis des Erzählers zu seiner eigenen Geschichte. Hier stellt sich die Frage nach dem Präzisionsgrad und die Motivation seiner veräußerten Erinnerungen und ob er möglicherweise die Quelle seiner Informationen preis gibt. Weiterführend betrachtet kann das didaktische Verhalten des Erzählers die Form eines „autorisierten Kommentars annehmen“ (S. 184) und als ideologische Funktion benannt werden. Dabei kann sich seine Stimme belehrend erheben und durch moralische Richtlinien auffallen, währenddessen die Ansichten der Figuren weniger lehrreich sind als ihre „Irrtümer und Lächerlichkeiten, ihre Fehlschläge und Niedrigkeiten“ (S. 185).

Literatur:
Genette, Gérard: Die Erzählung. München, 2. Auflage 1998.

(C.G.)